Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 376
(PDF, 113 MB)
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376 Epiſteln.

zu rufen: „Evviva l'Italia!“ Und hat dieſes Gelübde
ſeinen Grund in vielen mir ſeitens der Eingeborenen des
bel paese dove il „si“ suona*, zugefloſſenen Wohltaten bei
meinem erſten Aufenthalt, und ſtellte ich mir vor, dieſer
erſte Italiener werde etwa auf einſamer Gebirgshöhe auf⸗
tauchen, wie damals, da wir den Splügen überſchritten
und ihn in Geſtalt eines jungen Hirten trafen, der ſein
entflohenes Zicklein auf dem Rücken trug.
Diesmal aber kam's anders. „Ah, signor Gerolamo!“
rief der Kaufmann Ringler aus Bozen, dem wir die Noti⸗-
fikation des Ottener Weines verdankten, einem blaſſen
Mann mit rotem Bart zu, „come stà?“ Der Mann hatte
ſein Haupt auf beide Hände geſtützt und ſaß im Schatten

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des Ottener Wirtshäusleins, und ſtand eine große Waſſer-

flaſche vor ihm. Er gab aber keinen Appell, und wie ihn
ſein Bozener Freund am Kragen ſchüttelte und ihm ſein
Glas Roten entgegenhielt, ſchüttelte er ſchmerzlich ſein
blaſſes Antlitz und ſprach: „O Schluppwirt, maledetto
Sluppwirt. .uimpossibile!“ Und ſeinen weiteren, im
ſtarken Dialekt gemachten Mitteilungen war — außer der
allgemeinen Tatſache, daß geſtern Pfingſtmontag ge—
weſen — zu entnehmen: Sluppwirt. .2565 bottiglie di
vino rosso e 12 Asti spumante .musica e ballo sino
alle 3Z dopo mezzanotte? “* P grog americano al café...
und das Vorhandenſein eines Fammers in ſolcher Aus—
dehnung, daß ihm heute jeder Tropfen Wein wie Gift
vorkam.. . .Und ſomit war die Löſung meines Gelübdes
vereitelt, denn der blaſſe Mann war wirklich der erſte
Italiener, der mir bei diesmaliger Fahrt begegnete, und
war Ingenieur beim Bozener Eiſenbahnbau und hieß
Gerolamo Pescatore, was dem deutſchen „Hieronymus
Fiſcher“ etwa entſprechen würde, und war ſonſt ein recht
reſpektabler Mann, aber in einem alle Möglichkeit des
Weintrinkens ausſchließenden Zuſtand von Elendigkeit,

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daß wir ihm mitleidig einen Platz im Stellwagen ein- 25

* Das ſchöne Land, wo das „si“ (ja) erklingt. — ** Muſik und
Ball bis 3 Uhr nachts.


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