Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 397
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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Gedenkbuch über ſtattgehabte Einlagerung auf Kaſtell Toblino. 397

im Hafen eingelaufen war, kam er pünktlich und brachte
uns eine Proviſion zum Rauchen; wenn wir abends gegen
neun Uhr in der Nähe waren, fuhr er pünktlich auf kurze
Entfernung zum öſterreichiſchen Kriegskutter hinaus, weil
5 er glaubte, es müſſe uns beſondere Freude machen, den
zapfenſtreichſtellvertretenden Kanonenſchuß zu hören und
zu ſehen, wie mit Gedankenſchnelle die große Laterne auf
des Maſtbaums Spitze hinaufgehißt ward. HKund wenn
Fremde in lyriſcher Begeiſterung für venetianiſche Nächte
1n0 ſich die große compagnia der cantatori beſtellt hatten,
um mit Sang und Klang und alten Fiſcherliedern hinaus—
zufahren in Canal grande, da ruderte Valentino uns leiſe,
leiſe im Schatten der Nacht mit zur Seite, daß kein Ton
verlorenging, wenn der wunderliebliche Refrain „O Ve-
15 netia benedetta non ti voglio mai lasciar!“ ertönte oder
unter dem dunkeln Bogen des Rialto ihr „lomm! lomm!
lomm!“ widerhallte, und legte ſeine Gondel lauſchig der
der Beſteller zur Seite und blitzte wieder ab und lachte
wie ein Student, der mit Erfolg ein Kollegium geſchoſſen
20 hat, wenn er dann nachrechnete, wieviel die Organiſa⸗—
toren der Sängerfahrt für dieſelbe zu zahlen hätten und
wie billig ſie uns gekommen war.
Und allmählich hatte ſich der Gute ſo daran gewöhnt,
uns zu fahren, daß er es für eine Art von Rechtsanſpruch
25 hielt, und wenn wir je länger auf uns harren ließen, kam
er bis auf den Markusplatz zum Café militare, wo ſich
ſelten ein Gondolier hinwagt, und ſah nach, wo ſeine
Signori ſteckten.. und wenn wir je mit einem andern
von anderen Stadtregionen gefahren kamen, machte er
30 noch tags darauf ein verſtimmt Geſicht und rief ſeinen
Ausweichruf höh-primiöh! wenn's um ein Eck ging, mit
ganz anderem Ton denn ſonſt.
Und das ſollte itzt alles ein Ende nehmen! Mit wirk⸗-
licher Trauer im Antlitz trug Valentino der Biedre unſre
35 roba in die Barke . „Addio padrona! addio Palazzo
Canal!“ zum letztenmal ging's den bekannten Waſſerpfad

1 Geſegnetes Venedig, dich will ich nicht mehr laſſen!


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