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398 Epiſteln.
entlang in Canal grande, im Frührotſchein glänzten die
altersgrauen Prachtgebäude, .meinem Liebling, dem
feinſten aller venetianiſchen Paläſte, der cà d'oro mit ihren
ſchlanken Bogen und zierlich gotiſchen Balkonen und Fen—
ſtern und Zinnen noch ein Blick.. Kweiter wie im Traum
ging's bis an die Eiſenbahn. Wie aber Koffer und Sack
und Pack hineingeſchafft war, da ſtand Valentino noch
eine Weile vor uns, er wollte was ſagen und wußte nicht
was, oder wie es ausdrücken, denn ein venetianiſcher Gon⸗
dolier kann beſſer mit dem Ruder umgehen als mit der
Sprache. „Ebben Valentino, a riveder!“ ſprach ich. Und
ſein Antlitz heiterte ſich:'tornano i signori?“ frug er. —
„Sicuro'!“ — da zog ſich ein frohſames Laͤcheln über ſeine
Lippen, und er lupfte die Mütze und ſchwang ſie noch in
der Barke zum Gruß auf Wiederſehen.
Fahr wohl, du braver Gondolier, Gott geb' dir noch
manch gutes Fahr und padroni, deren Börſe mit ſchwe—
reren Talern gefüllt iſt als die unſere.
4. Über den Gardaſee nach Riva.
Seit dem Auguſt 1849, wo allerdings auch manch ein
Biedermann mit dem unbeſtimmten Gefühl „Nix wie
naus!“ aus Venedigs Toren gezogen ſein mag, hat die
lombardiſch-venetianiſche Eiſenbahn wohl ſelten zwei
Männer mit negativerem Reiſezweck weſtwärts befördert,
denn uns. „Gottlob, daß wir draußen ſind!“ ſprach ich,
als die rieſige Lagunenbrücke hinter uns lag, und wiewohl
die ſumpfige verfieberte terra ferma bei Meſtre noch
keineswegs ſo ausſieht, daß ein meergeprüfter Mann, wie
einſt Anchiſes der Alte beim erſten Anblick der Italia hu-
milis, ſie mit Geſchrei und Austrinkung eines gebauchten
Miſchkruges begrüßen möchte?, ſo tat ich doch einen luft-
einſaugenden langen Atemzug, wie einer, dem ein böſer
Alp vom Hals ſich gelöſt.
. 1, Kehren die Herren zuruück?“ — „Gewiß!“ — ² Birgils „Aneis“, 2. Geſang,
O. 523 ff.
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