Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 402
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0402
402 Epiſteln.

das ihr Fuß berührt, auch eine Marmorinſchrift auf-
richten laſſen.
Die Geſchichte iſt aus. — —

5. Von beginnender Wiedergeneſung und vom Ponal.

Im bayriſchen Gebirg' bei Lermoos ward mir's ſeiner-
zeit zuteil, fünf Knechte zu Mittag eſſen zu ſehen, und ich
lachte über die Schnelligkeit, mit der ſie ihre rieſenhaften
Schüſſeln getilgt hatten, ohne die drüber hingebeugten
Häupter zu erheben. Wenn die fünf Knechte mich über
dem ſpäten Mittagsmahl in Riva erblickt, ſie hätten Grund
gehabt, mir das Lachen heimzubezahlen. Monatelang im
Cholerahalbſold gefaſtet.. und jetzt, der böſen Atmo⸗-
ſphäre entronnen, bei einſtrömender geſunder Seeluft,
reichliche Gelegenheit, einzuhauen.. . Die Mahlzeit von
Riva hätte mich in Venedig drei Tage lang ernährt.

Und wie wir des andern Morgens mit dem Hausſohn

des Giardino in ſtattlichem Kahn hinausruderten in die
wunderſam blaue Flut, da kam's über uns, als hätten wir
einen langen böſen Traum geträumt und kämen itzt erſt
nach Italien, und wir warfen uns in die läuternde Woge
und plätſcherten angeſichts der ſchauerlich hohen, ſchön—
gezackten Berge und der mit wahrhafter Frechheit in die
ſchwindelnde Höhe hineingehauenen Felsſtraße mit fiſch⸗
haftem Behagen umher. Und die Sonne war ſo warm
und die Ufer ſo unnahbar und die Kultur ſo fern, daß wir,
wieder eingeſtiegen ins Schiff, gar keine Anſtalten mach—
ten, unſere Toilette auf das Niveau europäiſcher Verhält—
niſſe zurückzuführen. Und fuhren von dannen, ich im
Hemd, Unterhoſen und Stiefeln, der Meiſter Anſelm ledig—
lich im Hemd, der Hausſohn des Giardino aber, wie ihn
die Natur erſchaffen. Und wiewohl er noch ein gar junger,
tölpelhafter 1Zjähriger filius familias war, ſo waren doch
ſchon gewiſſe Entwicklungen ſehr ſtark und hausknechts-
mäßig an ihm vor ſich gegangen, alſo daß es eines koloſ⸗
ſalen Feigenblatts bedurft hätte, ihn für einen Antiken-
ſaal zu koſtümieren. Da wir jedoch der Anſicht waren,



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