Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 418
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0418
418 CExpiſteln.

mit der Stallaterne über die Landzunge, die das Kaſtell
mit der Heerſtraße verbindet. Der Mann trägt das Haupt
hoch und ernſt, ein grauweißer langer Bart umſchattet
ſein kluges Antlitz... wie aus dem Bild eines alten
Meiſters herausgeſchnitten ſteht er in der modernen Welt;
Tintoretto wird er von uns genannt, denn ſeine Züge
gleichen aufs auffallendſte denen des farbengewaltigen
Venetianers, wie ſie auf dem großen Werk in der Akade-
mie, das Wunder des heiligen Markus an einem zum
Martertod verdammten Sklaven, im Vordergrund ab—
konterfeit ſind.
Der Graubart ſtammt aus Veronaz; er war zu beſſerem
Loſe beſtimmt und trägt der Berbannung Leid und
Sommadoſſis Knechtſchaft zugleich... er meidet die
Gemeinſchaft der andern, in der Kirche wird er nie ge—
ſehen. Wir grüßen uns achtungsvoll. Reſpekt vor ihm!
2) Der welſchtiroliſche Hausknecht. Er trägt in hoher
Butte das Trinkwaſſer aus der Schlucht des Monte Gazza
nach dem Kaſtell und fegt und reinigt die Seidenfabrik,
ſieht auch wegen angeſtrengter Dienſtleiſtung bei den
Seidenſpinnerinnen ſehr angegriffen aus, trägt eine mili⸗
täriſche Holzkappe als Erinnerung an früheres Soldaten-
leben bei den öſterreichiſ chen Jägern, küßt den Kapuzinern
die Hände und miniſtriert in der Meſſe. Sein Latein in
den Reſponſorien hat etwas dialektiſchen Anklang. Sein
Name iſt Pietro.
3) Wer aber iſt der blondbärtige, ſpitznaſige einſame

Träumer, der ſo wehmütig über die Schießſcharten der

Hofmauer in den See hinabſchaut, oder ſich im Schatten
des Stalles eine Streu ſchichtet, um mit unmutvollem
Schnarchen ſeine müden Glieder darin zu begraben? Mit⸗-
gefühl ergreift mein Gemüt, da ich von ihm erzählen
will, — von ihm, den die Ker' und das ſchwarze Verhäng—
nis in welſche Grenzmark verſchlugen, von ihm, dem kein
befreundet Echo antwortet, wenn er im ſchönen Land,

1 Bei Homer ein der Seele zugeteiltes, ihr Schickſal beſtimmendes Weſen
(vgl. oben, S. 341).

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