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Gedenkbuch über ſtattgehabte Einlagerung auf naſtell Toblino. 445
nicht ſprengen oder ihn mit Kanonen herunterſchießen
will.. . und ſo muß ſelbſt der öſterreichiſche Gendarm
im Jgahr des Heils 1855 dort paſſieren, ohne ihn arretieren
und dem nächſten Amt abliefern zu können...
s Ich blies meine Raͤuchwolken wie ein Büßer in die
Luft..in bunten Bildern zog's an mir vorüber. .ich
ſah ſie, die Geſtalten von damals mit der grünrotweißen
Trikolore, hoffnungstrunkene Studenten und alte Land-
ſtraßenpraktiker, Pfaffen und Frauen mit der Büchſe um
io die Schultern — auch ſie ritt vorüber auf ihrem weißen
Zelter, die hier ſo wenig fehlte wie anderwärts, die große
Amazone contessa Pallavicini di Bresciau..ich ſah ſie
alle wieder, ich konnte ihnen nicht böſe ſein, denn es ſind
ſchlechtere Kerls nach ihnen gekommern, ſchlechtere, aber
1s geſcheitere, die keine Strohmänner bauten.
Ein rußiger finſterer Geſell, der in den Tiefen dort
ſeinen Kohlenmeiler geſchürt hatte, war heraufgekommen,
mich zu beſchauen.
„Come sta il vostro galantuomo la sopra?“ fragte
20 ich ihn.
„Sta poco bene in questi tempis!“ ſprach er und
ſchüttelte das Haupt und ging von dannen. Der Mann
ſchien eine Ahnung zu haben, daß jene Zeiten für uns
und Kind und Kindeskind vorbei ſind .
25⁵ Ich nahm von dem Phantom Abſchied. „Leb wohl“,
ſprach ich, „du einzige Geſtalt, die du ſeit jenen Tagen
ausgedauert, ohne deine Waffen abzuliefern, — ich wollte,
du ſtündeſt anderwärts ſo unnahbar und trotzig wie hier,
anderwärts im Reſpiziat meines Freundes, des gelb—
z0 geſichtigen Miniſterialrats! Der würde nimmer ſchlafen,
ſolang' du noch exiſtierteſt ... wahrlich, er würde nimmer
ſchlafen und würde keine Söhne mehr zeugen, die wieder
Miniſterialräte werden ...ich glaube, er bekäme dich
herunter! — Oder — er würde wahnſinnig und nähme
35 ſeinen großen Rohrſtock und erkletterte den Felſen neben
1 Bgl. die Anmerkung am Schluſſe des Bandes. — ² „Wie geht's Eurem
Ehrenmann da droben?“ — „Wenig gut in dieſen Zeiten.“
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