Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 446
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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446 Eiſteln.

dir und verſteinerte dort wie Niobe... Unſeliger, ver-
hängnisvoller, ſchändlicher Strohmann!“
Zwei Stunden nach dieſer Begegnung ſaß ich im Bad
Comano. Das Bad Comano lag bis in unſer Fahrhuͤndert
verſchüttet unter einem Bergſturz, und die Quelle verlief
ſich im Schutt. Als aber 1807 ein Bauer von Poja, der,
krätzig bis ins Herz hinein, ſeinen Hanf in jenem Waſſer
röſten wollte, ſelber hineinfiel und geſund und reinlich
wieder herausſtieg, da grub man nach und fand viel Back⸗
ſteingemäuer von alten Thermen und eine antike Faſſung
der Quelle und viel Kaiſermünzen, die nach altem Votiv—
brauch hineingeworfen waren.

Comano iſt itzt eine elegante Anſtalt..ſeit 4 Wochen

habe ich hier wieder den erſten Kellner im Frack und in
Glanzſtiefeln geſehen. Daß dies in den Wildniſſen des
Sarcatals doppelt wohltut, brauche ich kaum zu erwähnen.
Wegen der Cholera in der Nachbarſchaft ſtand alles
öd' und leer; der Kellner hatte daher eine ſolche Freude
an mir, daß er faſt Gewalt anwendete, um mir ein Bad
aufzuzwingen, nachdem er mir auseinandergeſetzt, welche
Art von Kranken in dieſen Wannen gewöhnlich bade...
ſeine Höflichkeit verminderte ſich in dem Maße, als ich
ihm beſtimmt verſicherte, daß ich an keinerlei Hautkrank-
heit leide. Er ſetzte mir ſodann ein omelette aux confi-
tures vor und ſchmunzelte, als ich ihm verſicherte, daß ich
dies in ſolchen Gebirgen kaum erwartet. Hierauf lud er
mich zu einer Partie Billard ein.
„Es iſt ſchade“, ſprach er ſpäter, als ich ſein Anerbieten
abgelehnt, „daß Sie nicht in einem andern Fahr ge—
kommen, wenn alles beſetzt iſt. Da iſt's ſchön bei uns; bis
in die benachbarten Bauernhäuſer.. .Hallis von Kur⸗
gäſten bewohnt...“
„Und alles hautkrank!“ fügte ich hinzu und ſtellte eine
Reihe Betrachtungen an über die verſchiedenen Gründe,
die den Kulturmenſchen veranlaſſen, den Aufenthalt der
Städte mit der Abgeſchiedenheit der Alpentäler zu ver—
tauſchen. Da ich aber bei dieſer Meditation von den Haut-
krankheiten auf die Ziviliſation im allgemeinen überzu—

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