Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 451
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0451
Gedenkbuch uüber ſtattgehabte Einla gerung auf Kaſtell Toblino. 451

Meiſter der Schlüſſel, ein bolletino, wie er ſagte, und
Sommadoſſi der Alte hatte geſchrieben, die zwei signori

prussiani, die bei ihm wohnten, ſeien zuverläſſige Män—
ner und galantuomini, denen man alles Inſchriftliche

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und Monumentale des Schloſſes Madruzz ohne Riſiko
vor Augen ſtellen könne, da ſie es nicht um Geſchäfte zu
machen, ſondern lediglich zu ihrem divertimento beſich-
tigen würden.
Da Sommadoſſi der Alte in einem P. S. zugefügt
hatte: „NB. Mit der bewußten Zahlung vom Seiden-
geſchäft her hat es noch Zeit“, ſo hatten ſich die Schlüſſel
auch vorgefunden, und ich trat meine zweite Wanderung
nach den Trümmern des Biſchofsſchloſſes an.
Stefanus der Sklav' war nach Calavin gegangen, um
die nötigen Einleitungen zu treffen. Ich ſtieg allein den
ſonnenglühenden Gipfel hinan und ſtand bald vor den
hohen weißen Mauern des Kaſtells. Diesmal waren nur
die Kinder des Bauern oben, die ihre Ziegen im Schatten
weideten und ſcheu davonliefen, wie die fremde Geſtalt
ſie freundlich anſprechen wollte. Das innere Tor war mit
einem Querbalken geſperrt. Ich mußte lange warten, bis
endlich vom Tal von Calavin drei Männer bergan ſchritten.
Der eine öffnete das Tor; wir traten in Schloßhof ein,
und die Unterſuchung der alten Bücher und Handſchriften-
ſchätze von Madruzz begann. Die zu dieſem Behuf nun—
mehr vollſtändig verſammelte Kommiſſion beſtand
1) aus dem Schloßbauer von Madruzz, als derzeiti⸗
gem Aufſeher und einzigem Bewohner der mit dem
Archiv zuſammenhängenden Gebäude,
2) aus einem gnomenartigen, mit Sabelbeinen ver-
ſehenen, vier Fuß rheiniſch meſſenden, freundlich lachen—
den Individuum, welches die Schlüſſel trug und von
Albertini dem Padron gemeſſenen Auftrag hatte, dem
Akt anzuwohnen, die Schlüſſel nie außer Handen zu
geben, und dem Fremden ſcharf auf die Finger zu ſehen,
3) aus Stefanus Baſetti meinem Sklaven,
aus mir ſelber.
Von dieſer Kommiſſion waren die Mitglieder 1) und
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