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Gedenkbuch über ſtattgehabte Einlagerung auf Kaſtell Toblino. 455
in die Fenſterniſche gelegt ſtatt in den Schrank zurück,
ſprang er bei wie ein Teufel und ſprach „Scusi, Signore'!“
und legte das Dokument zurück.
Es waren bunte Bilder vergangener Zeit in dieſen
5 Urkunden.
Ein rieſiges Kopialbuch auf Pergament, in der lang—
gedehnten Mönchsſchrift begonnen und ſpäter lesbar fort-
geſetzt, enthielt die Abſchrift ſämtlicher Urkunden über den
Erwerb der unzähligen Liegenſchaften, die das Territorium
10% der Madruzzen bildeten, über Bau und Reſtauration des
Schloſſes ete., es mag gegen 1000 Seiten enthalten.
Eine Maſſe Notariatsakte geben Aufſchluß über Eh'⸗
verträge, Teſtamente und Inventarbeſtände im 16. und
17. Jahrhundert.
1s Gerichtliche Akten, von Abwandlung der Forſt- und
Waldfrevel an bis zu ſchweren Kriminalprozeſſen die
Hülle und Fülle; auch etliche Privatkorreſpondenzen des
Kardinal Chriſtoph Madruzz mit Fürſten und Herren
ſeiner Epoche . .es kam eine ſtarke Verſuchung über
20 mich, ein Originalſchreiben eines Pfalzgrafen Wilhelm
bei Rhein, Kurfürſt von Bayern, an den Kardinal, Ein-
ladung zu einer Beſprechung in Innsbruck, da er propter
morbi et medicorum vexationes' ihn nicht in Trient be—
ſuchen könne, auszuführen; das Siegel mit dem Löwen
25 und den Feldern ſamt der eigenhändigen Unterſchrift
„Guglielmus“ war gar zu verlockend, es dem Geſchicht—
ſchreiber der Pfalz als Wahrzeichen der Studien des
Meiſter Foſephus vom dürren Aſt zu überſchicken.. Haber
es bedurfte des Blicks auf den Gnomen nicht, um mir zu
zo ſagen, daß ich kein Recht hatte, es dem Zahn der Ratten
zu entreißen.
Die Kommiſſion verlangte auch über dieſen Schrank
nähere Aufklärung. Da verſammelte ich die drei Männer
am Tiſch um den Weinkrug Es war ein ſeltſames
35 Bild, wie ſolches wohl bei wenig archivaliſchen Unter—
1 „Entſchuldigen Sie!“ — ² Wegen der Beläſtigung durch Krankheit und
Arzte. — ⁸ Profeſſor Ludwig Häuſſer in Heidelberg hatte eine „Geſchichte
der rheiniſchen Pfalz“ (Heidelberg 1845, 2 Bde.) geſchrieben.
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