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460 Epiſteln.
Von Pietro Aretino dem Dichter.
Wie der Meiſter Foſephus einen zweiten Anlauf nahm,
bis zur Frene vorzuſchreiten, ihm aber von einem großen
Seeſchmetterling das Tintenfaß umgeworfen ward.
Wie die Wildentenfänger von Calavin ihm auch noch
ſeinen Stuhl im Poetenwinkel geſtohlen und zu Fagd—
zwecken verwendet.
Was Stefanus der Sklav' geſagt, da er den Meiſter
Joſephus jeden Morgen in den Poetenwinkel hinüber⸗—
fahren und jeden Mittag wieder über den See zurück—
bringen mußte.
Wie der Meiſter JFoſephus zur Einſicht kam, daß dieſer
Winkel auf felſigem Vorſprung des Toblinoſees nicht dazu
beſtimmt ſei, mit der Schule Homers auf Chios in Wett—-
kampf zu treten, und ſeine Arbeiten gänzlich eingeſtellt hat.
Von dreitägigem hierauf gefolgten vino santo-Trinken.
3) Von des Meiſters Anſelm und des Meiſter Foſe—
phus Abendgeſprächen über die Kunſt heutiger Tage in
ihrem Verhältnis zum Kunſtideal, wobei ſchöne Kapitel
zur Sprache kamen, als da ſind:
Von den Spiritualiſten und ihrer Impotenz.
Von den Dreckſchwätzern.
Von den Glanzlackierten.
Von den Trödeljuden.
Vom Schwindel überhaupt.
Von der Naturerſcheinung, daß die edleren Kräfte
das wenigere Geld beſitzen uſw.
Wie nach des Meiſter Anſelm Rückfahrt nach Ve—
nedig der Meiſter Foſephus noch einſam auf dem Kaſtell
verblieben.
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Wie ein ehrwürdiger weißlockiger Pilgergreis im Ka-
ſtell ankam und Verlangen trug, ſich in des Meiſter Fo—
ſephus Stube neben ihn einzuquartieren.
Wie der Meiſter Foſephus dieſen Pilgergreis in An—
betracht ſeines ſchwarzen Talars, ſeines Roſenkranzes und
ſeiner weißen Locken mit gebührender Achtung aufgenom⸗-
men und bewirtet hat.
Wie ſich dem Meiſter Foſephus bei näherer Unter—
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