http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0461
Ein Bericht aus Meran. 461
haltung mit dem Pilgergreis einige Runzeln auf der Stirn
einſtellten, die ihn an die Zeiten erinnerten, da er Re-
ſpizient eines gewiſſen Bureau am Oberrhein geweſen.
Wie der Pilgergreis dem Meiſter Foſephus ſagte, es
5 käme ihm immer vor, als habe er ihn ſchon irgendwo ge⸗
ſehen.
Wie der Meiſter Joſephus den Pilgergreis fragte, ob
er nicht auch ſchon durch Baſel gekommen?
Wie der Meiſter FJoſephus den Pilgergreis nach der
10 hierauf erfolgten Antwort als den 62jährigen Barbier
und Chirurgiegehilfen Bucher von Innsbruck, den ſie einſt
aus Frankreich nach dem Bodenſee „zurückgeſchoben“, ent-
larvt hat.
Wie der Meiſter Joſephus mit Stefano dem Sklaven
1s und Johann Bartolomäus dem Hausknecht hierauf dem
Pilgergreis tatſächlich dartaten, daß dieſe Abendzeit die
geeignetſte ſei, auf der Heerſtraße weiter zu pilgern.
Wie der Pilgergreis alle drei dafür vor den Richter⸗
ſtuhl Gottes geladen. — —
20 5) Wie der Meiſter Joſephus, damit dieſes Gedenk—
buch zu einem Schluß und Ende komme, endͤlich ſelber von
dannen gefahren.
Explicit feliciter!
Ein Bericht aus Meran.
25⁵ Meran in Tirol, Oktober 1855.
Ein kurzer Bericht über das Städtlein Meran im Etſchland und einiges
in bortigem Weichbild und auf umliegenden Bergen und Schloͤſſern
Erlebtes.
gtem in den erſten Tagen Septembris 1855 bin ich,
30 Joſephus Scheffel vom dürren Aſt’, in Meran eingerückt.
Und hätt' mich von Herzen erfreut, ſo ich den weiſen und
fürſichtigen Vorſtand des Engeren' mit ſeiner liebens—
würdigen Ehegemahlin nach alldorten hätt' begrüßen
können, — war aber ſchon abgereiſt. Zedoch, als wie die
1 In Säckingen. — ² Bgl. oben, Bd. 2, S. 189. — ³ Ludwig Häuſſer.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0461