Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-4
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (4)
[1919]
Seite: 463
(PDF, 113 MB)
Bibliographische Information
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Ein Bericht aus Meran. 463

rung für immer genug gehabt. Denn die Geſellſchaft
par excellence beſtand aus öſtreichiſchen Kavallerieoffi—
zieren und Berliner Referendaren — was zuſammen eine
gute Miſchung gibt ... aus ſchwindſüchtigen, norddeut—
5 ſchen FJudenknaben, heiratsfähigen, abgeſtandenen ſieben—
bürgiſchen und wallachiſchen Gutsbeſitzerinnen, einem
Münchener Damenabbé, halbblinden und ganztauben Eng⸗
ländern — item es braucht ein rechtſchaffener Menſch viel
Glauben an die Menſchheit, um ihn nicht zu verlieren,
10 wenn er mit ſolchen Ehrenmitgliedern derſelben zuſam—
mentrifft. Nach ſolcher Erfahrung hab' ich beſchloſſen,
mich ganz auf mich ſelber zurückzuziehen — was bei der
Schönheit des ringsum ſich auftuenden Etſchlandes und
der Güte des weißen Terlaners und des roten Weins von
15 Kaltern keine allzu ſchwere Aufgabe iſt. Iſt mir ſolches
Einſiedelleben auch ſo gut bekommen, und hab' ihm ſo
manchen guten Gedanken und Frieden des Gemüts zu
verdanken, daß ich ſelbes über ſechs Wochen lang wohl⸗-
gemut fortgeſetzt, ohne in dieſer Zeit mit einem einzigen
20 Menſchen ein unnütz Wort zu reden.
Iſt aber trotz meines unverbrüchlichen Schweigens
rings um mich her grauſam viel Miſt geredet worden, und
will ich — ſtatt vieler — nur ein einzig Exempel einer
Konverſation hieher ſetzen, wie ich ſolche im „Grafen
25 von Meran“ des Mittags öfter zu erdulden Gelegenheit
hatte:
Erſter Fremder (ung, emporſtarrende Vatermör-
der, Zwicklorgnon im Aug', elegante Rückwärtslehnung,
mit Zahnſtochern verbunden): Fanny!
30o (Es kommt niemand.)
Fannnnnnnnny!
Die Kellnerin: Was moanen S'?
Er: Zum LTeufel, warum laſſen Sie mich ſo lange
warten?
35 Sie: hob Sie eben nicht verſtonden — i heiß nicht
Fanny.
Er: Jede gebildete Kellnerin muß Fanny heißen, oder
auf den Ruf Fanny gehen! Merken Sie ſich das, Sie Un—


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