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Ein Bericht aus Meran. 467
fräulein dermaßen als ein unverdächtiger Mann legiti—
miert, daß ſie mir die Chronik ſonder Furcht zu Handen
gab.. und hab' ſie nach Tilgung zweier Flaſchen Aus—
bruchs nur mit Wehmut aus den Händen gelegt, .mit
Wehmut, daß die Zahl der wenigen Gerechten, die noch
an die lebensverlängernde und ſeelerquickende Kraft eines
fröhlichen Trunks glauben, von Tag zu Tag ſchwindet
und von der falſchen, meineidigen Welt immer mehr ver⸗
kannt wird.
Bei ſolcherlei Erwägung hab' ich es denn als ein glück-
verheißend Zeichen begrüßt, daß, nachdem der „Steh—
wein“ zu Meran eingegangen, welcher zweifelsohne der
„ſüdlichſte Engere“ in deutſchen Landen geweſen, doch
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noch am Neckar dieſelbe Fahne unverzagt aufgepflanzt
ſteht ... und hab' darum auf Wohl und Gedeihen meiner
lieben Freund' und Gönner zu Heidelberg einen ſcharfen
Schluck, ihnen zum Gruß, mir zum Troſt, getan.
Die dritt' Trinkung aber hab' ich angeſtellt, als ich
eines Morgens die Trieſter Zeitung zur Hand bekam mit
der erſten telegraphiſchen Nachricht, daß der Malakoff' er⸗
obert ſei. Bin damals ſchnurſtracks von der Zeitung hin⸗
weg gen Lebenberg gewallfahrtet, und wenn dem Fürſten
Gortſchakoff jenes Tags nicht das linke Ohr erklungen, ſo
bin ich nit ſchuld daran. Vollbrachte dieſelbe im fresko—
gemalten Gelaß des ſogenannten „Fuchsbaus“ neben dem
Hauptturm, allwo die „Abenteuer des Degen Fuchs und
ſeines Freundes Hans von Greifen“ in ſinnigen Schilde-
reien zu erſchauen ſind.
Wie ich aber in dunkler Nacht bergab ſtieg, bin ich
zweimal geſtolpert und dann in den Wieſen fehlgegangen,
und hab' aus dieſem Omen, in Verbindung mit dem, was
ich in den Sternen geleſen, die Schlußfolgerung gezogen
— daß wir in Deutſchland noch immer keinen Grund
haben, uns zu freuen.
Auf Schloß Tirol, wo ich ebenfalls manchen Nach-
1 auptbollwert an der Landſeite des von den Verbündeten im Krim⸗-
kriege ſeit Oktober 1854 belagerten, vom Fürſten Michael Gortſchakoff ver⸗
teidigten Sebaſtopol, am 8. September 1855 von den Franzoſen erſtürmt.
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