http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0469
Epiſtel aus Donaueſchingen. 469
Epiſtel aus Donaueſchingen.
Hochwirdigſter Engerer!
Civ. No. 240. Schädigung durch Kloſterleute betreffend.
Leider iſt Schreibens nicht viel, wegen viel Schreiben,
5 ſonſt ſtünd Zahlreiches zu berichten, da nicht ohne Erfolg
zah lreiche Feldzüge in Hegäuw, Wutachtal, ſo ich ſogar
in einem lateiniſchen Poem verherrlicht habe, Schwarz—
wald und Neckarböblingiſches unternommen wurden.
Und iſt eben dies die ſtrategiſche Bedeutung Donau⸗-
10 öſchingens, daß der Menſch, auf zwei, drei Stunden Ent—
fernung ſich ausbreitend, verſchiedenſter Formationen und
Bier Gebiet trinkend erreicht. Und behalte ich mir vor,
zur Kenntnis des hochwirdigen Engeren in mündlichem
Vortrag mehrere ausgezeichnete Stationsorte zu bringen,
1s wo auch Leumundszeugniſſe über mein ſeitheriges pflicht-
treues Verhalten eingeholt werden mögen.
Aber im Kloſter Rheinau, hochwirdigſter Engerer, habe
ich hartes Unrecht leiden müſſen. Und das war ſo:
Setze mich eines ſchönen Junitages, am Sonntag ante
20 Petrum et Paulum auf einen langen Waidling und fahre
am Schaffhauſer Waſſerfall weg auf dem grünen Rhein —
an deſſen Ufer das ausgegangene, aber noch trümmer⸗-—
umwallte Schwabeneck und der keltiſche Landeplatz Nohl
liegt — talabwärts. Lande auch richtig auf der Inſel, die
25 das alte Kloſter trägt, und heiſche Einlaß; drei Gründe
der Einlagerung entſchieden vorhanden:
1) altkeltiſche Sympathien für Sanct Fintanum, der
hier ſich eingeſchloſſen und furchtbare keltiſche Be—
ſchwörungsworte, ataich, okysel u. farkysel in die
30 Nacht hinausgebrüllt, wenn die Teufel ihn plagten',
2) die überirdiſche Bibliothek,
3) die unterirdiſche Bibliothek.
Geht überhaupt dem Orte ein guter Leumund voraus,
1 Die „Vita S. Findani“, von einem Landsmanne des Schottenmönches
verfaßt, flicht mehrfach iriſche Sätze ein, in denen auch die oben angeführten
Börter vorkommen.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke4/0469