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E
Nachwort des Herausgebers.
Der Aufforderung, eine Ausgabe der Werke Scheffels für die
Klassiker des Bibliographischen Instituts zu übernehmen, habe ich
mich mitten unter Arbeiten wesentlich anderer Art nicht entziehen
mögen. Von frühester Jugend mit dem Dichter vertraut, in der
Wahl von Iebensberuf und Studiengebiet sehr wesentlich durch die
Bekanntschaft mit seinen Werken bestimmt, hatte ich seit langem
den Wunsch, mich dem Dichter für das Empfangene in meiner
Weise dankbar zu bezeigen.
Die Aufgabe war auch an sich in mehr als einem Sinne lockend.
Die literargeschichtliche Einzelforschung hat den Werken Scheffels
bisher auffallend geringe Teilnahme geschenkt. Ich hätte gewünscht,
daß mir Zeit — die Ausgabe mußte binnen Jahresfrist hergestellt
werden — und Raum in reicherem Maße zur Verfügung gestanden
hätten für alle notwendigen Feststellungen. Immerhin wird man in
Einleitungen und Anmerkungen dieser Bände manches finden, das
ich der kritischen Würdigung der Fachgenossen empfehlen darf.
Reine Arbeit zu machen, die künstlerische und menschliche Persön-
lichkeit Scheffels scharf und allseitig zu umreißen, ist leider aus-
geschlossen, solange der Nachlaß unzugänglich bleibt. Auch mir
hat sich der Weg zu seiner Benutzung trotz dem liebenswürdigen
Entgegenkommen der Schwiegertochter des Dichters nicht eröffnen
mögen. Hoffen wir denn, daß von der Seite, der seine Ausschöpfung
anvertraut ist, uns bald jene umfassenderen Mitteilungen gemacht
werden, auf die die deutsche öffentlichkeit ein Anrecht besitzt.
Es versteht sich, daß auch die Aufgaben der Textkritik sich
ohne Benutzung des Nachlasses nicht wirklich erledigen lassen.
Immerhin konnte innerhalb der gebotenen Beschränkungen auch
hier einiges geschehen. Scheffels Verleger hat den ihm anvertrauten
Text der Werke in ungewöhnlicher Weise verkommen lassen; ins-
besondere strotzen die „Gesammelten Werke“ von sinnvernichten-
den Druckfehlern. Die Textgeschichte an sich ist freilich, soweit
sie sich außerhalb der Setzerei abgespielt hat, von keinem besonderen
Belang, da der Dichter an seinen Werken nachträglich nur un-
bedeutende Anderungen/vorzunehmen pflegte. Ich habe dem Grund-
satze der Meyerschen Klassiker-Ausgaben gemäß überall die Fassung
letzter Hand herzustellen mich bemüht unter sorgfältiger Verglei-
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