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schweren Erkrankung an Masern teilt«' er lange das Krankenzimmer
mit einem todkranken, heiligmässigen Missionar und das
Erlebnis dieses stillen Duldens und Leidens weckte in ihm zum
ersten Mal den Gedanken, Priester zu werden, und war so
entscheidend für seine Zukunft.
Der Vater, obwohl sehr religiös, war diesem Vorhaben im
Interesse seines Unternehmens nicht günstig gesinnt und verlangte
von Paul eine längere Prüfung, so dass dieser nach Ab-
schluss der Gymnasialstudien zunächst für zwei Jahre als Interner
auf die ausgezeichnete „Ecole de la rue des Postes" nach Paris
kam und später nach dieser Vorbereitungszeil auf die Ecole
centrale, der Ausbildungsstätte für Frankreichs beste Ingenieure
und Techniker. Da er jedoch seine innere Berufung zum Priester-
tum fühlte und klar erkannt hatte, brach er schon nach sechs
Monaten das Studium ab und erwirkte vom Vater die Zustimmung
, der Erfüllung seines selmlichen Wunsches nachstreben
zu dürfen.
Die Vorbereitung auf den priesterlichen Beruf, der Fortgang
und die Vollendung der theologischen Studien, zunächst am
(leorgianuin in München und seit dem Spätjahr 1882 an der
Procura von St. Sulpice und an der Gregorianischen Universität
in Rom vollzogen sich nicht ohne grosse Hemmungen und unerwartete
Schwierigkeiten, nicht zuletzt verursacht durch die
lange Krankheit und den frühen Tod seines Vatersim Jahre 1885.
Um seinen Priesterberuf zu retten, bat Paul Müller-Simonis insgeheim
den Bischof von Strassburg um die beschleunigte Erteilung
der Subdiakonatsweihe. Der .junge Kleriker bedurfte der Anspannung
aller Kräfte, um den auf ihn einstürmenden Verpflichtungen
gerechl zu werden, da ihm nun auch noch die Sorge für die
Interessen der bedeutend jüngeren Geschwister zugefallen war.
Im .Jahre 1886 konnte Paul Müller-Simonis die Priesterweihe
empfangen und 1888 in Pom zum Doktor der Theologie promovieren.
Nach einer sich anschliessenden Reise in den nahen Orient in
der Gesellschaft .-eine- Freundes, des Professors Henry llvvernat,
jetzt an der katholischen Universität in Washington, kehrte
Paul Müller-Simonis nach Strassburg zurück und übernahm auf
Wunsch -eines Bischofs die Leitung des Presseuntemehmens
..Der Elsässer", an dessen Lründung im Jahre 1885 er schon
finanziell überwiegend beteiligt war.
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