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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/spemann1924/0019
von Einbryonalanlagen durch Implantation artfremder Organisatoren. 609

doch bleibt es zweifelhaft, ob es sich dabei ganz passiv verhalten hat.
Es stammt aus einer Gegend des Keims, deren Zellen normalerweise
aktiv an der Einstülpung teilnehmen und diese Fähigkeit in anderen
Fällen auch nach der Verpflanzung beibehalten haben. Dadurch werden
die Verhältnisse verwickelt.

Das Implantat hat die ganze Chorda geliefert, ferner einen größeren
Teil des Mesoderms, der aber nicht typisch gegliedert ist, und einen
kleinen Teil der Darmanlage. Ob es außerdem auf das anstoßende
Mesoderm eine induzierende Wirkung ausgeübt hat, ist in diesem Falle
nicht klar. Dagegen hat es sicher die Bildung des ganzen sekundären
Medullarrohres hervorgerufen; auf welchem Wege dies geschehen ist,
läßt sich nicht entscheiden. Im vorderen Bereich, wo das Implantat
dicht unter dem Medullarrohr liegt (Abb. 8), wäre eine direkte Beeinflussung
möglich; weiter nach hinten dagegen, wo es durch Mesoderm
des Wirtskeims abgedrängt wird (Abb. 9) oder ganz fehlt, ist diese
Erklärung unwahrscheinlich. Man müßte annehmen, daß dieses Mesoderm
selbst durch den Organisator umgestimmt worden ist und seinerseits
das über ihm hegende Ektoderm zur Bildung von Medullarplatte
veranlaßt hat. Es könnte aber auch sein, daß der Organisator seine
ganze Wirksamkeit auf das Ektoderm ausgeübt hat, solange er noch
nicht in die Tiefe gerückt war.

Charakteristisch für diesen Fall ist also, daß im sekundären Medullarrohr
die Implantatzellen völlig fehlen und daß die Chorda ganz aus
ihnen besteht. Dasselbe zeigt vielleicht noch schöner ein weiterer Fall
{Triton 1922, Um 214), bei welchem die vom Implantat gebildete
Chorda beinahe über die ganze Länge des Wirtskeimes verläuft und
ebenso das induzierte Medullarrohr, beide den normalen Achsenorganen
benachbart. Auch dieser Fall zeigt jedoch nicht, ob das Implantat
Urwirbel bilden oder im Mesoderm des Wirts solche induzieren kann.
Darüber gibt der nächste Fall Aufschluß.

Experiment Triton 1922, 131b. Der Materialaustausch wurde bei
vorgerückter Gastrulation, nach Bildung des Dotterpfropfes, vorgenommen
, mit einem großen cirStatus-Stück, welches aus der Medianlinie
dicht über dem Urmund stammte, und einem taeniatus-Stück, dessen
Herkunft sich zunächst nicht näher bestimmen ließ.

Am cristatus-Keim ist das faem'a^ws-Implantat nicht mit eingestülpt
worden und hat zu einer eigeiitümlichen Spaltbildung Veranlassung
gegeben (Abb. 10). Vorn ist das Medullarrohr geschlossen; da, wo es
auf das taeniatus-Stück stößt, weicht es in zwei Hälften nach rechts
und links auseinander. An dieser Stelle tritt das Entoderm ein wenig
zutage, vielleicht eine Folge unvollkommener Heilung oder nachträglicher
Verletzung. Die Querschnitte zeigen im vorderen Teile bis zur
Gabelungsstelle ein Medullarrohr mit Chorda; die beiden Äste des

Archiv f. mikr. Anat. u. Entwicklungsmechanik Bd. 100. 39


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