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von Embryonalanlagen durch Implantation artfremder Organisatoren. 627
einfach ist die Sache für die tiefer gelegenen Teile, die Chorda, Ur-
wirbel und Vorniere. Sie scheinen manchmal aus den Seitenplatten
des Wirtes gewissermaßen herausgeschnitten (so z. B. bei 1922, 132,
Abb. 24 und 25). In einem Falle dagegen (1922, 83, S. 616) waren die
sekundären Urwirbel so viel dunkler pigmentiert als die primären, daß
der Gedanke sich aufdrängt, sie möchten aus präsumptivem Ektoderm
gebildet sein, wie das sekundäre Medullarrohr, dem sie in der Farbe
gleichen. Man müßte dann annehmen, daß der Organisator die ani-
malen Blastulazellen, in welche er eingepflanzt war, ausgiebig zur Einstülpung
veranlaßt und sie dann zu Urwirbeln determiniert habe. Die
Möglichkeit hierzu ist nach den schon erwähnten Versuchen von 0. Man-
(jold ohne weiteres gegeben. Die genaueren Vorgänge müßten noch
durch eigens darauf gerichtete Untersuchungen aufgeklärt werden.
4. Entstehungsur sacken der sekundären Embryonalanlage.
Die kausalen Zusammenhänge bei der Entstehung der sekundären
Embryonalanlage sind noch ganz im Dunkeln. Sicher ist nur, daß
irgendAvie eine Induktion von Seiten des Implantates stattfindet; aber
schon die Frage, in welchem Zeitpunkte der Entwicklung dies der Fall
und ob sie daher eine direkte oder mehr indirekte ist, läßt sich bis
jetzt nicht entscheiden.
Es ist sehr wahrscheinlich, daß die induzierende Wirkung des Implantates
schon früh beginnt und zunächst darin besteht, daß seine
neue Umgebung zur selbsttätigen Teilnahme an der Einstülpung veranlaßt
wird. Daß etwas Derartiges möglich ist, beweist ein früheres
Experiment (Spemann 1918, S. 497ff.), bei welchem der halbierte Urmund
einer median gespaltenen Gastrula angeheilte Teile von anderer prospektiver
Bedeutung mit in die Gastrulation hineinzog.
Mit diesem Anstoß zur Einstülpung könnte sich nun die induzierende
Wirkung des Implantates erschöpfen; alles übrige würde lediglich Folge
dieser sekundären Gastrulation sein. Man müßte dann annehmen, daß
der Gesamtzustand, in welchem die an der Gastrulation beteiligten
Zellen vielleicht durch eben diesen Vorgang geraten sind, den Reiz abgibt
, durch den die weiteren Entwicklungen ausgelöst werden. Von
dieser Determination würden dann die verschiedenartigsten Bestandteile
dar chimärisch zusammengesetzten Gastrula ohne Rücksicht auf ihre Herkunft
ergriffen, wie das ja auch bei jenen Chimären der Fall ist, welche
durch Implantation indifferenten Materiales erzeugt werden können.
Es besteht aber auch die andere Möglichkeit, daß das Implantat
nach Ablauf der Gastrulation fortfährt, determinierend auf seine Umgebung
einzuwirken. So könnte der lange schmale Streifen von cristatits-
Zellen in der Medullarplatte die Ursache sein, warum sich die Zellen
der Umgebung, die sonst zu Epidermis geworden wären, nun ebenfalls
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