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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/spemann1924/0038
628 H. Spemann und Hilde Mangold: Über Induktion

zu Medullarplatte entwickeln. Und sollte sich nachweisen lassen, daß
dies nicht der ursächliche Zusammenhang ist, indem die Entwicklung
der Medullarplatte durch die Unterlagerung von Ento-Mesoderm ausgelöst
wird, so könnten immer noch die mesodermalen Teile, die vom
Wirtskeim geliefert worden sind, unter der Einwirkung der implantierten
Teile entstanden sein.

Beide Erklärungen gehen davon aus, daß die implantierten Teile
im großen und ganzen zu dem geworden sind, was sie auch normalerweise
gebildet hätten. Nach der ersteren Auffassung wäre dies aber
lediglich eine Folge davon, daß sie auf ein bestimmtes Maß von Einstülpung
eingestellt waren; nach der zweiten Annahme dagegen wären
sie auch bezüglich ihrer späteren Entwicklungsrichtung schon determiniert
, wenn auch vielleicht mit der Möglichkeit von Schwankungen
innerhalb gewisser Grenzen. Diese schon determinierten Teile hätten
dann die Fähigkeit, sich aus den angrenzenden indifferenteren Teilen zu
ergänzen. An diesem Punkte vor allem haben wohl die Experimente
einzusetzen, welche eine Entscheidung zwischen den beiden Möglichkeiten
bringen sollen.

Es möge zunächst dahingestellt bleiben, ob solche entscheidenden
Tatsachen jetzt schon vorhegen, und unter Zulassung beider Möglichkeiten
erörtert werden, wovon die Orientierung und wovon die Größe
beziehungsweise Vollständigkeit der sekundären Embryonalanlage abhängen
könnten.

Zunächst ist die Frage von Interesse, wodurch die Orientierung der
sekundären Anlage im Wirtskeim bestimmt wird. Es bestehen dafür anscheinend
drei Möglichkeiten, Die Orientierung könnte ganz im Wirtskeim
begründet sein, oder ganz im Implantat, oder aber in beiden zusammen.

Soll das erstere zutreffen, so müßte das Implantat strukturlos sein
und sich bei der Unterlagerung rein passiv verhalten; seine Form und
Lage würden ihm ganz durch die Verhältnisse des Wirtskeims aufgezwungen
werden, indem es bei dessen Zellbewegungen einfach mitgeschleppt
würde. Ferner müßte die determinierende Wirkung ausschließlich
von diesem unterlagerten Ento-Mesoderm ausgehen, und
zwar irgendwie symmetrisch zu der Form, welche ihm von außen erteilt
worden war. Dabei müßte man aber wohl erwarten, daß die sekundäre
Embr3Tonalanlage immer dieselbe Orientierung zur primären
erhält, und zwar wahrscheinlich parallel zu ihr gestellt wird, was offensichtlich
nicht der Fall ist. Auch verträgt sich mit der Strukturlosig-
keit des Organisators nicht seine Fähigkeit, sich selbsttätig einzustülpen,
wenn er außerhalb der normalen Einstülpungszone des Wirtskeimes
eingepflanzt worden ist.

Nach der zweiten und dritten Annahme wäre dem implantierten
Organisator eine bestimmte Struktur eigen, von welcher die Richtung


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