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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/spemann1924/0040
630 H. Spemann und Hilde Mangold: Über Induktion

clifferenteren Teilen mag eine richtende Struktur zukommen; doch ist
diese keinesfalls so starr, daß sie den Einfluß von Seiten des Organisators
aufheben oder auch nur entscheidend abändern könnte. Je nach der
Orientierung, welche das unterlagernde Implantat im Wirtskeim erhält
, muß die Richtung, in welcher sein determinierender Einfluß
dessen Gewebe durchläuft, eine verschiedene sein, also z. B. schräg zur
Richtung der primären Medullarplatte durch das Ektoderm gehen,
wenn die sekundäre Medullarplatte nachher einen größeren oder kleineren
Winkel mit ihr bildet. Ob dabei innerhalb der induzierten
Medullarplatte selbst, der primären sowohl wie der sekundären, die
Determination hinten oder vorn einsetzt, also nach vorn oder, wie
v. Ubisch (1923) meint, nach hinten fortschreitet, oder ob das ganze
unterlagerte Ektoderm gleichzeitig von ihr ergriffen wird, das läßt
sich wohl bis jetzt nicht durch sichere Gründe entscheiden. Es möge
daher für jetzt genügen, auf die beachtenswerten Darlegungen v. Ubischs
hingewiesen zu haben.

Die Größe der sekundären Embryonalanlage mag von mancherlei
Umständen abhängen. Am nächsten liegt der Gedanke, daß sie mit
der Größe des Implantates zunimmt. Daneben ist aber wohl auch
dessen Herkunft, d. h. seine prospektive Bedeutung, von Einfluß und
damit zusammenhängend vielleicht auch seine Form; es könnte einen
Unterschied machen, ob das Implantat kurz und breit oder lang und
schmal ist. Auch der Ort der Implantation könnte von Wichtigkeit
sein; ferner das Alter des Implantates, an sich oder im Verhältnis zum
Wirtskeim. Aus diesen Überlegungen ergeben sich zahlreiche durchführbare
Versuchsreihen, welche mannigfache weitere Aufschlüsse versprechen
, ganz abgesehen von den Überraschungen, mit denen man
bei solchen Experimenten immer rechnen kann. Auf einen sehr wichtigen
Umstand wird gleich noch hinzuweisen sein.

Von ähnlichen Faktoren wie die Größe der sekundären Embryonalanlage
mag auch die Vollständigkeit ihrer Ausbildung abhängen. Es
könnten wieder die Verhältnisse des Wirtskeimes oder aber diejenigen
des Organisators in erster Linie zur Geltung kommen. Bei der ersteren
Möglichkeit ist nicht nur an die Fälle von offenkundiger Interferenz
der Anlagen gedacht, wo die Entwicklung der sekundären Anlage dadurch
beeinträchtigt wird, daß sie mit ihrem Vorderende vorzeitig auf
die primäre stößt und mit ihr verschmilzt; vielmehr könnte auch bei
äußerlicher Unabhängigkeit der sekundären Anlage die Vollständigkeit
ihrer Ausbildung von der primären abhängen, oder genauer gesagt,
könnte das primäre Organisationszentrum die Wirkungsart des implantierten
sekundären mitbestimmen. So ist es z. B. auffallend, daß beim
Experiment 1922.132 (S. 618 Abb. 21) die zwei Hörblasen der sekundären
Anlage in fast genau derselben Höhe liegen wie die primären und daß mit


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