Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/thomas1896/0010
_ 2 _

Übertreibungen und Ausschreitungen zu vermeiden gesucht
habe. Ich habe weder den Taumel der Tuberkulinbehandlung
mitgemacht und daraus ungeahnten Aufschwung gewisser Orte,
noch von der medikamentösen Behandlung mehr als ein willkommenes
Unterstützungsmittel der hygienischen Kur erwartet.
Aber wie man früher in manchen Empfehlungen zu weit ging,
so geht man, meiner Ansicht nach, jetzt zu weit im Einschränken
einzelner hygienisch-diätetischer Mafsnahmen.

I. Hydrotherapie.

"Was zunächst die Hydrotherapie betrifft, so scheint
mir ihre Anwendung nicht mehr ausreichend genug zu
sein, man unterschätzt ihren Nutzen in der Behandlung der
Phthise ebensosehr, als man sie früher überschätzt hat. Trotz
der unleugbaren Erfolge von Aberg und namentlich von
Wilh. Winternitz und seiner Schüler wird die Hydrotherapie
ungenügend oder mangelhaft in Anwendung gebracht.
Winternitz hat in der letztjährigen öffentlichen Versammlung
der balneologischen Sektion zu Berlin in einem Vortrage1
) die Methode Aberg's sowie seine eigene ausführlich
besprochen.

Die Methode, welche ich seit einer langen Reihe von
Jahren zur Anwendung bringe, ist aus folgenden sich aneinander
reihenden Prozeduren zusammengesetzt:

Im Anfang der Kur bei nicht an Hydrotherapie gewöhnten
Personen kurzdauernde trockene Abreibungen mit rauhem
Frottirtuch, oder Frottirh and schuh sogar mit der Bürste; dann
folgen baldigst kalte Abwaschungen des ganzen Körpers
oder eines Teiles mit Wasser von 10—12° R.2) (Aberg
nimmt Wasser von 0°, Winter nitz solches von 7—8° R.);
kalte Abklatschungen mit in gleiches Wasser getauchten
und gut ausgedrückten Tüchern. Das Tuch wird nur einfach
aufgelegt und von dem Abreiber mit den Händen darüber
gerieben, bis das Tuch sich zu erwärmen beginnt, was in ca.
10—15 Sekunden der Fall ist; kalte Regenduschen von
6 —• steigend 20 Sekunden Dauer3).

1) Veröffentl. d. Hufeland'schen Gesellschaft in Berlin. Herausg.
von San.-Rat Dr. Brock. Berlin 1896, S. 140 ff.

2) Diese Temperaturgrade erscheinen mir ausreichend niedrig,
werden auch von den allermeisten Patienten den kälteren vorgezogen
; dazu ist im Sommer Wasser von der angegebenen Temperatur
leichter zu beschaffen.

3) Ich weifs nicht, welchen Nutzen eine noch gröfsere Beschränkung
der Dauer einer Regendusche auf 1 Sekunde bringen
sollte.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/thomas1896/0010