Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., RA gr.2.2014/14-1
Braune, Wilhelm [Hrsg.]
Topographisch-anatomischer Atlas: nach Durchschnitten an gefrornen Cadavern (Text)
1872
Seite: 5b
(PDF, 16 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Anatomische Literatur

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/topographisch1872-1/0014
Die Verhältnisse des Bauchfells wurden in der Zeichnung genau so
wiedergegeben, wie sie sich in der Natur beim Aufthauen des Präparates
vorfanden; nur ward der Deutlichkeit halber das Fett des grossen
Netzes weggelassen ;%nd die Blätter desselben schematisch gezeichnet.

Da für das Verständniss des decursus peritonaei ein Sagittal-
schnitt in der Mittellinie" des Körpers nicht der günstigste ist, sondern
ein Schrägschnitt vom foramen Winslowii aus, durch die Wurzel des
Mesenterium nach der flexura iliaca zu, viel mehr leisten würde, so
habe ich in dem beiliegenden Holzschnitte eine schematische Abbildung
gegeben, welche wenigstens das Verhältniss des kleinen Netzes zum
übrigen Theile des peritonaeum, deutlich machen wird. Die einzelnen
Blätter, aus denen
das mesocolon transversum
der En tWickelung
nach zusammengesetzt
ist, wurden auf dieser
Zeichnung so wenig als
auf der grossen Tafel
angegeben, da sie am
erwachsenen Körper sich
nicht präpariren lassen
und ihre schematische Anlage
nur das Verständniss
der Zeichnung erschwert
hätte.

Ueber die Verhältnisse
des Mastdarms
ist nichts weiter hinzuzufügen
; man erkennt
die Entfernung des Pento
naealssackes von der
Mastdarmöffnung, welche
gegen 3 Zoll beträgt. Man
erkennt ferner deutlich
die Lage der sogenannten
Mastdarmklappe.

Da der Mastdarm beim
Aufsteigen sich nach der
linken Körperhälfte hinüber
wendet, so ist auch
nach aufwärts nur ein
flacher Abschnitt desselben
zu sehen, und es
^weicht dadurch die Abbildung
von denen Henle!$
und Kohlrausch!9, ab.

Ebenso differirt die
Zeichnung der Blase von
den eben erwähnten Abbildungen
. Sie wurde aber genau nach dem Präparate abgepaust, dia
Blase war mit gefrornem Urin vollständig gefüllt, und enthielt keine Luft,
welche das Einsinken der oberen Wand bedingt, sowie es in manchen
Pirogoffschen Abbildungen wiedergegeben ist. Obwohl das dieser
Zeichnung zu Grunde liegende Cadaver im frischesten Zustande sich
befand und somit kein Grund vorliegt, diese Abbildung anderen nachzusetzen
, so habe ich doch noch an anderen Leichen so bald als möglich
nach dem Tode Einspritzungen mit Talg in die Blase gemacht, theils
durch die Harnröhre, theils durch den Ureter und zwar eben sowohl in
aufrechter Stellung als in horizontaler Lage des Cadavers, um die
Lage und Form der Blase zu vergleichen. Dabei zeigte sich auf
den Medianschnitten stets eine der vorliegenden ähnliche Figur,
und es fand sich in Bezug auf die Abplattung der oberen Wand
kein wesentlicher Unterschied vor, mochte das Cadaver gestanden oder
gelegen haben.

Die Lage der Eintrittsstelle der Harnröhre in die Blase entspricht
den Abbildungen von Henle und Kohlrausch. Um eine absolute Gleichheit
kann es sich hier nicht handeln, da Langer (medizinische Jahrbücher,
Wien, 1862, 3. Heft) gezeigt hat, dass in dieser Beziehung ziemlich
grosse Variationen vorkommen.

Den Umhüllungen der Blase, welche die porta vesicae Retzii
bilden, wurde besondere Sorgfalt zugewandt, da dieselben aus den von
Henle und Kohlrausch gegebenen Darstellungen nicht recht ersichtlich
sind. Man erkennt aus der Abbildung, dass von der Terminallinie
der hinteren Wand der Rectusscheide, der sogenannten Unea semicir-
cularis Douglasii, zwei Fascienblätter ihren Ursprung nehmen, welche dicht
hintereinander zwischen m. rectus und peritonaeum herablaufen, wenn die
Blase nur massig angefüllt ist wie im vorliegenden Falle; die aber
einen Raum vor dem, peritonaeum zwischen sich begrenzen, der von
der aufsteigenden Blase bei noch wachsender Füllung eingenommen

1. Leber, schief durchschnitten. 2. lobulits Spigelii. 3. Gallenblase
. 4. Magen. * foramen Winslowii. 5. Omentum minus.
6. pancreas. 7. colon transversum. 8. mesocolon transversum.
9. mesenterium. 10. jejunum. 11. ileum. 12. Omentum majus.
13. Höhle des peritonaeum. 14. Harnblase. 15. Mastdarm.
16. duodenum.

werden kann. Während das vordere Blatt als dünne Decke auf dem
rectus abdominis heruntergeht und noch den Raum zwischen Blase
und Schaambeinsymphyse austapeziert, geht das hintere Blatt hinter
dem urachus auf die Blase über, um dieselbe zu überziehen und sich
an die Prostatakapsel und die fascia pelvis anzusetzen.

Der sphincter urethrae internus Hess sich in der Zeichnung andeuten;
dagegen gelang es nicht, den sphincter externus zur Darstellung zu bringen.
Die prostata selbst war nach allen Seiten hin deutlich abzugrenzen.
Auch der vor der Harnröhre liegende Theil derselben war deutlich zu
erkennen, während in den meisten Fällen diese mit Muskelfasern gemengte
Drüsenmasse sich nicht bestimmt abhebt.

Vor der prostata liegt das ligamentum pubo-prostaticum medium,
mit den zahlreichen Venen, welche den plexus venosus Santorini bilden.
Darunter zeigte sich Muskulatur, die sich nicht vollständig analysiren
Hess. Sie wurde so abgezeichnet wie sie vorlag, und nach Ilenle's Vorgang
mit dem Namen des transversus perinaei profundus zusammen-
gefasst. Dazu gehört auch der von Müller sogenannte constrictor urethrae
membranaceae.

Das ligamentum trianguläre urethrae (Colles), welches am ligamentum
arcuatum hart an der Symphyse liegt, und mit dem transversus
perinaei profundus verbunden ist, lässt sich nicht deutlich auf solchen
Durchschnitten zur Ansicht bringen. Es sind die weiss gehaltenen
Stellen am vorderen Rande der eben erwähnten Muskelmasse darauf
zu beziehen. Ueberhaupt sind Sagittalschnitte für das Verständniss
der Beckenfascien und der Beckenmuskulatur nicht vortheilhaft. In
dieser Beziehung leisten Frontaldurchschnitte viel mehr.'

Die vena dorsalis penis und das ligamentum Suspensorium penis
lassen sich deutlich erkennen.

Die Krümmung der Harnröhre weicht etwas ab von der, welche
Kohlrausch als die normale bezeichnet, und doch muss die vorliegende
Urethra ebenfalls als eine normale angesehen werden, da sich weder an
ihr selbst, noch an den benachbarten Organen pathologische Veränderungen
nachweissen Hessen. Man wird somit annehmen müssen, was auch
aus den Abbildungen von Pirogoff und Jarjavay hervorgeht, dass die
Harnröhrenkrümmung sich nur im Allgemeinen normiren lässt, und selbst
im normalen Zustande mehrfache Variationen darbietet. Ausserdem beweist
die Leichtigkeit, mit welcher selbst gerade Instrumente bis in die
Blase eingebracht werden können, dass es weniger darauf ankommt, dem
Catheter eine bestimmte Krümmung zu geben, als die Hinternisse zu
kennen, welche sich dem Einbringen des Instrumentes entgegen setzen.
Die Ausbuchtung im Prostataantheile der Harnröhre entspricht dem
sinus prostatae, neben dem collicidus semmalis, welcher zugleich mit
dem ductus ejaculatorius getroffen wurde.

Die Eichel und die Schwellkörper sind in ihrer Zusammensetzung
deutlich gezeichnet. Ebenso markirt sich auch die fossa navi-
cularis. Die übrigen Erweiterungen und Engen der Harnröhre, wie sie
im normalen Körper regelmässig vorhanden sind, Hessen sich nicht
darstellen. Man muss, um sich eine klare Anschauung davon zu verschaffen
, Abgüsse der Urethra an weichen Präparaten machen, so wie
es Langer gethan hat. Durchschnitte an erhärteten Präparaten leisten
in dieser Beziehung nichts.

Die Lage der Cowper sehen Drüsen in so beträchtlicher Tiefe,
und unter der Muskulatur, macht es erklärlich, warum Entzündungen
und Vergrösserungen derselben, die nach den Sektionsbefunden gar
nicht so selten sind, so wenig am Lebenden berücksichtigt werden. Es
müsste schon eine bedeutende Anschwellung eintreten, um eine von aussen
her fühlbare Geschwulst zu geben.

Betrachtet man die vorliegende Abbildung in Beziehung auf die
Operationen am Perinaeum, namentlich den Steinschnitt, so
fällt zunächst die Engigkeit des Raumes auf, zwischen dem oberen
Theile der Harnröhre und dem Mastdarm. Es muss aber bemerkt
werden dass diese Engigkeit hier besonders gross ist, da der Mastdarm
stark mit Koth angefüllt war. Es erhellt daraus die Wichtigkeit
der Regel, vor dem Perinaealsteinschnitte jedesmal den Mastdarm von
Faecalmassen zu reinigen um ihn möglichst weit aus dem Bereiche des
Messers zu bringen. Dass dadurch dieser Raum wesentlich vergrössert
wird, ist leicht ersichtlich; ergiebt sich auch aus der Abbildung von Kohl-
rausch, wo ein weniger stark ausgedehnter Mastdarm zu Grunde lag.

Man erkennt ferner aus den hier vorliegenden Verhältnissen, dass
es recht gut ausführbar ist, bei dem Schnitt die Prostatakapsel zu erhalten
. Man kann durch Spaltung der pars membranacea und pars
prostatica urethrae einen so geräumigen Zugang zur Blase gewinnen,
dass selbst grössere Steine entfernt werden können und durch Erhaltung
der hinteren Parthie der prostata mit der Kapsel gefährlichen Urininfiltrationen
vorbeugen.

Ueber den hohen Steinschnitt, oberhalb der Symphyse, ist nichts
hinzuzufügen, da schon aus der Abbildung ersichtlich ist, dass eine
starke Anfüllung der Blase dazu gehört, um ihren vom peritonaeum
freien Theil hinreichend hoch über die Symphyse zu erheben.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/topographisch1872-1/0014