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politischen Erfahrung jemals eine ethisch befriedigende Ordnung
menschlichen Zusammendaseins entstehen zu sehen--ohne den
Anspruch darauf aufzugeben oder (was dasselbe ist) in die Ferne zu
vertagen — — eine Einstellung, die also in denkbarster Kraßheit das Gegeneinander
dieses Dilemmas, das Problem in seiner wirklichen Gespanntheit spüren
läßt. Somit wendet sich dieser Gedankengang zuerst an die, welche in den
politischen Fakten dieses Menschenalters keine ethisch-produktiveren Kräfte finden
als in denen der vergangenen und für die «Geschichte" nur den Sinn hat „Geschichte
des Fehlschlagens". Geschichte als das von der ethischen Norm Abstechende
ist ein Ablauf, dessen Stigma Mißlingen ist (während Mythos ein
Ablauf ist, dessen Stigma Gelingen ist).
Die hieraus folgende fundamentalste Voraussetzung alles Weiteren ist: jede
scheinbare „Annäherung" an einen irgendwie „idealen Zustand" als ein Auf-
der-Stelle-treten zu durchschauen und jedes dahin-zielende Manöver auf das schärfste
abzulehnen. „Annäherung" ist der jeder Generation freistehende Einwand gegen
das Ansinnen, eine Idee oder einen ethisch geforderten Inhalt in ihrem Menschenalter
und restlos zu realisieren. Hier spielt die moralische Empfindung dafür
hinein, ob ein endgültiger ethischer Status gleichsam ein „hohes Verdienst" der
Menschheit vorstelle, folgeweise ein Ziel, nach dessen Erreichung eine Vollkommenheit
statuiert sei, die einem andauernd „vorschwebt", die also nicht anders als in
fernster Zukunft gedacht werden kann, weil man offenbar sich nicht vorstellen
kann, was man nach Verwirklichung von „Idealzuständen" mit der Welt noch
anfangen sollte — — es spielt, sagten wir, hier die moralische Empfindung dafür
hinein, ob die Welt in einem Erfüllungsstadium aufhöre oder — anfange. In der
Tat fehlt das zur Konkretisierung jeder Absicht vorher notwendige „Erfahrungsbild
im Geiste" für die Situation nach Idealzuständen, und darum sind sie
„unerreichbar". Ganz ernsthaft aber ist Kampf, Streit, Disharmonie und ihre Beseitigung
ein Inhalt, ein Erfahrungsgehalt, während eine Endgültigkeit scheinbar
keinen weiteren Raum läßt — es sei denn für Wiederholungen. Den Idealzustand
sofort zu denken — das ist ein anderer Ausdruck für lächerliche und undiskutier-
bare Absurdität für diejenige Daseinsempfindung, der damit das Ende der
Tage gegeben schiene. Umgekehrt aber ist derjenigen Geistesverfassung, die
auch nach einer vollkommenen Situation Inhalte anzugeben vermag, der Idealzustand
kein Endpunkt, überhaupt keine Angelegenheit, der man sich in endlosen
Generationen „annähert" — — sondern eine unausweichliche Voraussetzung, deren
Erfüllung kein „Verdienst", sondern deren Nichterfüllung das Maximum an ethischer
und sonstiger Minderwertigkeit vorstellt, das in der Welt überhaupt aufzutreiben ist.
Diese Ansicht wird vorausgesetzt. Diese Ansicht aber wird von einer Bewegung
geteilt, welche die Aufrichtung ethisch normhafter Zustände ebenfalls für eine bloße
Voraussetzung ansieht, aber nicht in der Lage ist anzugeben, für welche Inhalte sie
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