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Unger, Erich
Politik und Metaphysik
Berlin, 1921
Seite: 12
(PDF, 13 MB)
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„politischen Dichter" kennt, und die maßlos verschieden sind und sein müssen
von der äußersten politischen Produktivität, die das Ganze der sozialen Komplexe
begreift. Denn es läßt sich zeigen, daß gewisse normative, psychologisch und
ethisch begründete Einzel-Forderungen, die zu den Situationen der aktuellen
politischen Welt kontrastieren, - daß solche Einzelforderungen, wie sie von
geistigen Menschen, die sich der Politik zuwenden, auszugehen pflegen, sich zwar
in einem Einzel-Gesetz formulieren ließen, — daß aber die Durchführung solchen
Gesetzes die ganze aktuelle politische Welt revolutionierte, und von einer Einzel-
Schwierigkeit zu prinzipiellen führt, weil nicht zwei Einzelheiten, nicht Symptome,
sondern ganze Ebenen gegeneinander stehen. Das bedeutet, daß hier nichts
geschieht, wenn Dichter oder Wissenschaftler sich sammeln und politisch werden —
hier, wo der politische Genius selbst beansprucht wird. Die äußere „Sammlung"
der Geistigen aber als das Moment „geistiger" Politik einzustellen, ist, abgesehen
davon, daß es genau so anfechtbar, wie der Gedanke des Parlamentarismus
überhaupt - ist, wie ausgeführt, jene Verwechslung, welche „Internationale des
Geistes" sagt und „Internationale der Schriftsteller" bedeutet.

Oder heißt „geistig" eine besondere Methode der Behandlung politischen
Materials? Dann könnte es nur den Sinn eines logischen Verfahrens haben.
Hier aber ist nicht das Gebiet der reinen Logik, da durch Begriffe und Schlüsse
„richtig" und „falsch" entschieden wird. Daß die Linien der Kausalität, nicht wie sie
verlaufen, sind logisch regelbare Angelegenheiten, und die Logik ist so durch und
durch Allgemeinwissenschaft, daß sie für ein Spezialgebiet zu einem Sonderverfahren
gestalten zu wollen, zu einem leeren Prunken mit einer unkonkretisier-
baren Über-Berechtigung werden muß.

Das Prädikat „geistig" als Attribut der Politik bezeichnet also eine leere
Wünschbarkeit und eine ethische Forderung wie das Postulat „gut" — so lange
unter den Bedeutungen, die ihm seine Erfinder gaben, kein reales Agens zur
Bewältigung höchst drastischer und gefährlicher Notlagen enthalten ist. Es verflüchtigt
sich zu einem formalen Erfordernis.

Geist als solcher ist nichts Hinzukommendes, heißt nur das formal richtige
Umgehen mit den Gegebenheiten, und die Unmöglichkeit, eine katastrophenlose
Ordnung dieser herzustellen, kann an den Gegebenheiten liegen oder an dem
Nicht-Vorhandensein anderer. Wie eine Aufgabe unlösbar sein kann, wenn die
Zahl der bekannten Faktoren zu klein und die der unbekannten zu groß ist, so
kann die Unlösbarkeit des politisch-wirtschaftlichen Problems daran liegen, daß
die Faktoren, die in Ordnung gebracht werden sollen, so, wie sie sind, nicht
ausreichen. Nicht, als ob neue wirtschaftliche Fakten zu eruieren seien es
könnte sein, daß das gesamte Wirtschafts-Gefüge deshalb nicht in Ordnung
gebracht werden kann, weil es als ein in sich geschlossenes, ruhendes Ganzes

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