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Unger, Erich
Politik und Metaphysik
Berlin, 1921
Seite: 13
(PDF, 13 MB)
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Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



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betrachtet und in Angriff genommen wird, während es in Wirklichkeit eine (als
Ganzes) abhängige Größe ist.

In dem bloß-wirtschaftlichen Material finden sich diejenigen Elemente, welche
machen, daß alle anderen zueinander »passen", nicht, und in der zu dieser Wirtschaftswelt
gehörenden geistigen finden sie sich auch nicht.

Denn — und dies ist ein Sachverhalt von einer vielleicht anfangs befremdlichen
, indessen kaum zu überschätzenden Bedeutung -: Diese Wirtschaftswelt
und diese — scheinbar doch ganz heterogene — „geistige" Welt mitsamt
allen ihren das Wirtschaftsdasein revolutionierenden Forderungen, mitsamt
allen ihren scheinbar materie-fernen Betätigungen — — bedingen einander.

Das will sagen: wenn das geistige Verhalten, das wir als in einem Umkreise
herrschend beobachten können, der weit über den Unterschied von „Gebieten
" oder „Strömungen" oder „Richtungen" innerhalb des Geisteslebens hinausgeht
, nicht ein bestimmtes Stigma aufwiese (zu dessen bloßer Sichtbarmachung
schon die Aufstellung eines anderen Types geistiger Möglichkeit notwendig ist
und hier versucht werden soll), das es in der Tat aufweist, so könnte diese
äußere Ordnung der Dinge nicht diese totale Unberührbarkeit von geistiger
Motivation aufweisen, die sie in der Tat aufweist. Da das Prinzip der „Herrschaft
des Geistes" in formaler Weise richtig ist, so muß diese vollkommene
Unangreifbarkeit der materialen, politischen, wirtschaftlichen Welt durch den „Geist"
daran liegen, daß es keine inhaltliche geistige Wesenheit gibt, — wie weit
man auch diesen tatsächlich vorhandenen Bereich geistiger Gegebenheiten durchläuft
— — die diesen äußeren Komplex sogleich zu bewegen vermöchte.

Da sich vom Geist her nichts faktisch ändert, so muß geschlossen werden:
Dieses Wirtschaftschaos und diese geistige Welt passen zusammen.
Es findet sich in dieser kein eingreifendes Motiv (außer dem allgemeinen, formalen).

Woran liegt das?

Es liegt daran, daß die maßgebende geistige Einstellung, die durchgängig
ist und die mit dem konkreten Dasein dieser Epochen übereinstimmt, die ist: daß
alle geistige Wirkung keine augenblickliche nach Art der körperlichen,
sondern eine an Unsichtbarkeit grenzend ferne und allmähliche ist: daß mithin
geistige Faktoren nur nach langen Abläufen irgendwie merkbar und wertbar,
materielle Faktoren aber augenblicklich und sofort einsetzbar und wirkend gewertet
werden: daß somit allem Geistigen eine zeitliche Nachträglichkeit eigen sei,
der die Regelung des Körperlichen zeitlich voranzugehen habe: daß Körperhaftes
überall die Notwendigkeit momentaner Regelung zeige, demgegenüber
Geistiges jedweden unbestimmten Aufschub vertrage.

Diese Auffassung ist im innersten identisch mit jener, daß das Geistige nur
der „Überbau" der materialen Welt sei, deren eigentlich bestimmende Mächte
in ihr selbst lägen.

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