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Unger, Erich
Politik und Metaphysik
Berlin, 1921
Seite: 15
(PDF, 13 MB)
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samkeit, einer Eventualität, die allerdings aus einer Realitätsempfindung stammt,
die unter den Kräften, die diese Kulturwelt ausmachen, nicht anzutreffen ist.

Die Möglichkeit geistiger Momentanwirkung ist mithin unerläßlich — —
oder: es ist logische Anarchie zu gewärtigen.

Es entsteht die Frage nach dem Paradigma einer solchen Wirkung. Es
zeigt sich, daß nur ein Fall eines sogleich sichtbaren Effekts geistiger Einwirkung
bekannt ist: der der physiologischen Beherrschung des Körpers durch geistige
Momente--auf dem ganzen übrigen Felde des „Geistes" aber nichts dergleichen
bekannt ist.

Es gibt also eine solche Gegebenheit, aber sie gehört nicht in die Politik.

Gibt es nun im ganzen Umkreis des außerphysiologischen Bereichs keinen
Anhalt für eine Eingriffsmöglichkeit des Geistes in die Dinge der menschlichen
Außenwelt nach Art des Körpers?

Wir müssen antworten: es gibt keinen — — wenn nicht „die Natur",
das Naturgegebene des psychophysiologischen Phänomens — modif izierbar,
behandelbar ist.

Hier ist ein kritischer Punkt von kaum überschätzbarer Wesentlichkeit: eine
Stelle, an der „Tatsachen" auf ihre „Tatsächlichkeit" hin zu überprüfen sind. Daher
ein Punkt jahrhundertelangen Stockens.

Worauf kommt es an?

Es muß dem Wirken des Geistes die Möglichkeit gegeben sein, mit der
gleichen Unmittelbarkeit, mit der gleichen unzweifelhaften, unmetaphorischen
Drastik und Plötzlichkeit da zu sein wie dem des Körpers — — sonst verbürgt
nichts das Aufhören seiner ewigen Nachträglichkeit.

Augenblicklich einsetzbar aber ist nichts absolut Körperloses. Der Geist
oder eine geistige Gegebenheit als solche ist nicht augenblicklich einsetzbar.

Um die Dinge des Außen anzugreifen wie ein Arm, wie eine Maschine oder
wie ein Zahlmittel genügt nicht ein — im Vergleich zur übrigen Erfahrungswelt:
gestaltloses Etwas, wie es selbsi die bestimmteste Überlegung ist und das deutlichste
Gefühl.

Selbst die genaueste Reflexion und die intensivste Empfindung verlieren,
den widerstrebenden Reflexionen und Empfindungen, die die Erfahrungskörperlichkeit
auf ihrer Seite haben, im Kampfe ausgesetzt, ihren undurchbrochenen
Umriß, ihre Härte, die absolute Bestimmtheit, die im Geiste Ersatz des Körperhaften
bedeutet — — sie verlieren ihre unantastbare Eindeutigkeit und damit ihr
Wesen und ihre Einsetzbarkeit.

Hier ist keine Mathematik: also gibt es keine Unbezweifelbarkeit, die vermöge
anschauungsmäßiger Logik durchdringt. Mathematik nämlich heißt Geist
und Körperhaftes, d. i. gesetzmäßige Anschauung.

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