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Unger, Erich
Politik und Metaphysik
Berlin, 1921
Seite: 17
(PDF, 13 MB)
Bibliographische Information
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Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



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Ausgleichs, sei es der Einzelnen, sei es der Völkergesamtheiten
untereinander.

Die Politik blickt auf Vielheit, der Einzelnen oder der Völker, und will sie
rangieren.

Nach Erreichung dieser Ordnung hätte die Politik als solche kein Programm
mehr, sie würde, heute vor eine solche Frage gestellt, antworten: alles "Fernere"
werde sich „dann" ergeben, es handle sich heute um den Zwang der augenblicklichen
„Wirklichkeit" und nicht um eine entlegene „Möglichkeit".

Unter Zugrundelegung des hier ausgeführten Gedankens, der die Umkehrung
von all dem ist und der sagt: daß sich diese sogenannte „Wirklichkeit" durchaus
nicht „verwirklichen", durchaus praktisch auf keine Weise einrichten lasse, ohne
jene „Möglichkeit" vorher einbezogen zu haben — daß Politik, für sich genommen
, spezialisiert, abgetrennt, als „Politik" gehandhabt, mit Katastrophenpolitik
ewig identisch sein müsse, daß jene realitätferne Möglichkeit vorher geregelt
zu haben augenblicklich praktisch unerläßlich sei, daß es also einen Fehler
von unabsehbaren Konsequenzen bedeute, das teleologische Gebiet neben statt
vor das staatliche zu lokalisieren, außer Kausalnexus statt in den bestimmenden
Kausalnexus zu setzen, und zwar nicht, wie gewöhnlich geglaubt wird, um des
Kulturellen, sondern um des Physiologischen willen — unter Zugrundelegung
dieser Erwägung müssen wir also ein anderes Bild von „Politik" gewinnen.

Es wird hier, das sei wiederum unterstrichen, keine „idealistische" Politik
gegen eine materialistische gefordert — nicht „Geist" gegen „Materie" ausgespielt,
sondern eine weitergespannte Vorstellung des psychophysischen Verhältnisses
gegen eine zu enge.

Der Begriff von Politik, den wir im Auge haben, ist genötigt, alle Ungelöst-
heit, die sich zunächst in einem psychischen Innen abspielt, einzubeziehen und
auf irgendeine Weise vor der Praxis zur Entscheidung zu bringen, nicht nur
um der sogenannten „Kultur" willen (der etwa eine rein materielle Sphäre
gegenüberstünde), sondern gerade und erst recht um dieser materiellen
Sphäre willen.

Diese materielle Sphäre, die heute so verzweifelt umkämpft wird, schätzen
wir nicht etwa als zu groß, wir urteilen, daß sie zu klein sei, und daß ihr Erweiterung
not tue. Es müssen mehr und andere materielle Angelegenheiten in den Gesichtskreis
der Politik gebracht werden, um die Regelung der physischen Welt
zu ermöglichen — das politische Unternehmen scheitert, wie in manchem anderen
Fall, nicht an der Größe, sondern an der Kleinheit seines Umfanges. Die
Erweiterung und Einbeziehung heute als apolitisch angesehener Komplexe bringt
nämlich eine Verschiebung des Wertakzentes herbei, der auf den einzelnen
materiellpolitischen Tatbeständen ruht: sie verhindert Überbewertungen, die im
zwischenmenschlichen Organismus zu psychischen Verknotungen und fixen

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