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Unger, Erich
Politik und Metaphysik
Berlin, 1921
Seite: 19
(PDF, 13 MB)
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Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



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scheinbaren Häufung von Schwierigkeiten — da die Fragwürdigkeiten zweier
Bereiche auf einer Zone zusammentreffen — Vorteil zu ziehen, weil so neue
Faktoren in die Rechnung eintreten.

Das wollen wir in größter Zusammendrängung andeuten:
Wir können nämlich vermuten und werden es bestätigt finden, daß die unerhörte
Widerstandskraft der psychophysiologischen Verkettungsfrage zu einem
großen Teil davon bedingt ist, daß wir dauernd eine psychische Größe mit
Materialität innerhalb des Einzelindividuums in Verbindung zu bringen
trachteten, das möglicherweise garnicht den Treffpunkt bildet, oder nur von der
physiologischen Seite aus gesehen bilden müßte, nicht notwendig aber von der
psychischen Seite aus. Denn der Geist und sein Organismus sind insofern
unhomogen und in keine Kommensurabilität zu bringen, weil der Körper in einen
biologischen Vielheits-Nexus eingestellt ist, wofür sich in allen Elementen des
„naturgegebenen" Bewußtseins kein Analogon und kein Anhalt findet. Infolgedessen
empfindet das Bewußtsein, dem nur begreifbar sein kann, was aus ihm
selbst deduzierbar ist, den Körper als etwas außerhalb seiner Entstandenes, als
ein buchstäblich „Hetero-genes". Dieses Bewußtsein ist für den Körper in
gewissem Sinne zu kurz. Es gibt scheinbar kein Bewußtseinselement, das mir
die Konstruktion meines Körpers vermittelt. Während es für den Gebrauch
meines Körpers Anschauungsformen des Geistes gibt, gibt es für seine Anlage
scheinbar nichts dergleichen. Für Körper von außen gibt es Formen, für Körper
von innen nicht. Die Einzel-Sinnlichkeit reicht logisch (nicht etwa historisch)
nicht so weit wie die Genetik des eigenen Körpers, und sie kann nicht so weit
reichen, weil es für das restlose Begreifen der eigenen Materialität — womit in der
Tat das psychophysiologische Problem gelöst wäre — nicht auf die zyklisch-biologische
, sondern auf die einmalig-kausale Genese ankommt. Einmalig-kausale
Genese bedeutet, im Gegensatz zu der sich immer wiederholenden biologischen
causa, in der ein Ablauf bereits vorgezeichnet ist, die causa zu dieser Vorzeichnung
— die Konstruktions-Ursache, welche nicht gemäß naiver Vermutung eine
Einzei-Ursache, nur am „Anfang", sondern eine Quer- oder Konzentrations-
Ursache wäre. Ein Anschauungsmoment für die einmalig-kausale Genese aber
kann in dem Umkreis einer Einzel-Sinnlichkeit unmöglich anzutreffen sein, denn
diese ist wiederum keine kommensurable psychische Größe für den Umfang eines
Ereignisses wie das einer allen biologischen Kreislauf konzentrierenden Kausalität.

So kommen psychische und physiologische Data nicht zusammen d. i. so
bleibt das psychophysiologische Problem unhandlich wegen der völligen Ungeklärtheit
des Vielheitsmoments.

Die Realität einer Vielheitsexistenz ist also der Punkt, von dem
in gleicher Weise das psychophysiologische wie im tiefsten Grunde
das soziologische Problem abhängt, und damit ist die Unerläßlichkeit einer

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