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darauf zurückzuführen sein, daß dessen Inhalt, der, wohin auch immer durch ein
Schema gewendet, im Prinzip derselbe bleibt, als solcher zu klein ist.
Bei einer methodologischen Untersuchung, welche Faktoren denn nun unter den
zunächst logisch systematischen Elementen eines Bewußtseins fehlen oder als
solche verkannt sein könnten, würde man auf die Frage der direkten Beziehung
von verschiedenen Bewußtseinseinheiten stoßen. Diese scheint zu fehlen. Wenigstens
vermöchten wir für sie im Gegensatz zu der direkten Beziehung von Bewußtsein
und eigener Materialität, d. i. Körper, im Gegensatz sogar zu der direkten Beziehung
zwischen Bewußtsein und fremder Materialität, ohne weiteres keine Form anzugeben.
Ich bin mir fremder Materie unmittelbar gewiß und sollte es fremder Bewußtheit
nur durch deren Vermittlung sein? (Der Einwand, ich wäre des eigenen
Bewußtseins auch nur „mittels" der Materialität, nämlich der eigenen, gewiß, trifft
deshalb nicht, weil diese Gewißheit sowohl des eigenen Bewußtseins wie der
fremden Materialität sich bis zu einem Modus der „Wahrnehmung" — wenn
auch der inneren — verdichtet, auf den allein es hier ankommt; die externe Bewußtheit
als solche aber könnte in dem angenommenen Fall lediglich „erschlossen"
werden, und es ist logisch-systematisch zumindest nicht einzusehen, warum die
Perception fremder Bewußtheit an der Wahrnehmbarkeit — wenn auch nicht
„von außen" — nicht teilhaben sollte, die ja auch „mittels" der Materialität vor
sich gehen könnte: aber als Empfindbarkeit, nicht als — Syllogismus.) Die
Perception eines Phänomens, das meiner Personalität der Struktur nach näher
sein muß, als das der fremden Materialität, sollte gleichwohl auf entferntere
Methode als die Perception dieser Materialität vor sich gehen? Nun, eine genauere
Untersuchung würde zeigen, daß, wenn dem so wäre, der Solipsismus
recht hätte und ein jeder sich nur einer Unzahl von fremden Automaten gegenüber
fühlte.
Dieses Minus an Umkreis des Einzelbewußtseins deutet ebenfalls auf die
transzendente Realität der Vielheit im Sinne einer — da es „Bewußtsein von
außen" als solches nicht geben kann — Potenzierung einer einzelnen Bewußtseinsgröße
, in deren Erweiterungskreis alsdann diejenigen körperhaften Momente fallen
müßten, die außerhalb der unmodifizierten psychischen Einheit liegen: wie schon
angedeutet, die genetischen. Es leuchtet ein, daß für die Konception gerade des
genetisch-konstruktiven Elements des Organismus die Vorstellung einer sozusagen
psychischen Gesamteinheit logisch unerläßlich ist; denn nur in dieser ist überhaupt
das geistige Komplement, das geistige Parallelfaktum zu der eine biologische
Einmaligkeit zum Ausdruck bringenden einmaligen Körper-Kausalität vorhanden,
aus der allein dessen Konstruktion begreifbar werden kann. Da es sich hierbei
keineswegs um eine bloß-logische, sondern durchaus um eine der Exaktheit der
Sinneserfahrung adäquate, unmittelbare Erfahrung handelt, so ist zumindest der Begriff
gegeben, in dem oben von einer Erweiterung der „gesetzmäßigen Anschauung",
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