http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/unger1921/0029
Unmöglichkeits-Erklärungen hütend, aus der disproportionierten Beleuchtung der
Körper-Erfahrung und des theoretischen Bewußtseins eine wechselweise Aufhellung
und ein experimentales Eindringen versucht.
Metaphysik in diesem Betracht bedeutet also keine logische Nicht-Erfahrung,
die Unmöglichkeit, auf metaphysischem Felde je etwas auszurichten, wird nicht
schon in seine Definition gelegt als prinzipielle Nicht-Erfahrbarkeit — wobei
man sich dann nicht wundern kann, wenn in der Tat nichts ausgerichtet und eine
Unmöglichkeit bewiesen wird — Metaphysik bedeutet nicht logische, sondern
nur gleichsam-historische Nicht-Erfahrung. Wir sagen »gl eichsam-historisch",
weil Metaphysik und Empirie dennoch nicht in einem Zeit-Bewußtsein aufeinander
folgen, wie sonst ein »Fortschritt" (dies eben ließ sie als prinzielle Gegensätze
erscheinen), sondern weil sie aufeinander folgen wie zwei Bewußtseins-Modi.
Und im Maße der Transgression in die selbsieigene Unbekanntheit muß
eine Aufdeckung externer Beziehungen fortschreiten, so notwendig, als Außen
und Innen ein korrelatives Ganzes bilden.
Um nun überhaupt eine Vorstellung von dem geben zu können, was in den
Bewußtseinskreis eines also gesteigerten Anschauungs-Vermögens eintreten könnte,
müssen wir seine Möglichkeit, da ja seine Wirklichkeit außerhalb der hier
allein möglichen theoretischen Demonstrationen liegt, zunächst so lange setzen,
als wir die Konsequenzen dieser Möglichkeit im System dieses ^Gedankenkreises
als systematisch-bedenkenfrei erweisen müssen. Das heißt: aus dieser Möglichkeit
einer Steigerung müssen sich Konsequenzen ergeben, die geeignet sind, das
zu leisten, was sonst auf keine Weise zur Ordnung des soziologisch-menschlichen
Problems geleistet werden kann.
Welche gegenwärtig hauptsächlich verschlossene Erscheinung nun müßte
durch jene Erweiterung einiges Licht erhalten? Zunächst die, die vorausgesetzt
werden muß, um solche Ausdehnung des Gesichtsfeldes überhaupt erst zu ermöglichen
: der psychophysiologische Zusammenhang einer bestimmten Vielheit,
der über den rein generativen hinausgeht. Und zwar insofern, als er durch einen
psychischen Konnex ergänzt wird, der zu körperhafter Wirkung gebracht werden
kann, weil die mit dem psychischen Moment der Vielheit zusammenhängende
Intensivierung eines Bewußtseins-Inhalts ein Vordringen in die eigene psychophysiologische
Verknüpftheit gestattet. Diese körperhafte Wirkung aber würde
beweisen, daß es sich hier nicht um einen „rein geistigen" Zusammenhang
unter den empirischen Repräsentanten einer solchen Vielheit handeln kann, um
eine bloß-psychische Beziehung, wie sie in jeder „Kultur-Gemeinschaft" auch
vorkommt, um nichts Übertragenes und nichts nur schattenhaft-Wirkliches, sondern
um eine unmetaphorisch-reale Verbindung, die — außerhalb des biologisch-zeitlichen
, längsfolgenden: des generativen — einen Nexus quer durch die Zahl
der zu einer solchen Vielheit gehörenden darstellt.
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