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Unger, Erich
Politik und Metaphysik
Berlin, 1921
Seite: 28
(PDF, 13 MB)
Bibliographische Information
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Varia

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Damit ist aber erst die physische Seite der Umgestaltung der psychophysiologischen
Situation getroffen und vor allem noch nicht der Inhalt dessen umschrieben
, wofür jene Legitimierung das Zeichen ist. Denn der physiologischen
Erweiterung entspricht notwendig ein Vortragen der psychischen Bewußtheit
sowohl des körperhaft-eigenen wie — auf Grund jener hinlänglich erkannten Ver-
knüpftheit zwischen sinnenhaften Elementen und Verstand einerseits und der
„Natur" andererseits — wie des körperlich-fremden Objekts, das heißt der
Erkenntnis-Grenze überhaupt — — dies aber nicht im Sinne einer privaten, von
der Empirie abgelösten, und somit für eine Gesamtheit unverbindlichen Spekulation
, sondern als eine eben durch das gegebenenfalls auftretende Ergreifen
physiologischer Verhältnisse sich als exakt ausweisende Orientierung in bis
dahin metaphysischen Beziehungen.

Damit ist folgendes gegeben: eine geistige Leistung, die, obzwar die Struktur
eines scheinbar fernen Außen zum Thema habend, dennoch in engstem Anschluß
an eine sinnenhaft organische Evidenz steht, und in ununterbrochener Verbindung
bis an ein körperlich-fundamentales Interesse reicht und es trifft, das noch primärer
als das ökonomisch-materiale ist.

Dem Träger dieser geistigen Leistung Widerstand bieten, hieße heute sich
gegen den Arzt oder den Techniker in seinem eigenen Bezirk zu empören, nur
daß beide sich zu jenem verhalten wie die Kopie zur Realität.

Anstatt der Wirtschaft wird Leben, Vitalität und Tod in die Mitte des Staats
gerückt.

Hier liegt somit jene eingangs geforderte geistige Produktion vor, die nicht
wie die gegenwärtige Geistigkeit weit hinter der materialen Notwendigkeit einher-
schwebt, sondern die geeignet ist, momentan eingesetzt zu werden, weil sie
sowohl an Drastik wie an Interesse der primärsten Materialität nicht nur ebenbürtig
, sondern sogar vorgeordnet ist, und dennoch und gerade deswegen
psychisch die Perception der fernsten Beziehungen in sich trägt.

Das ist es, was wir augenblickliche Wirksamkeit des Geistes nannten,
und sie kann — da zur Augenblicklichkeit Materialität nicht entbehrlich ist
nur metaphysisch ausfallen, weil Geist und Körper ein transzendentes Verhältnis
bedeuten.

Hier ist die Einsetzbarkeit des Geistes gegeben, der sich als Hervorbringungs-
prinzip an die Spitze der materialen Bewegung setzt, statt als Erklärungsprinzip
hinter ihr her zu «geistern". Der Inhalt dieser geistigen Begebenheiten ist zwar
das, was heute „metaphysisch" heißt, aber in einer gänzlich veränderten Empfindung
seiner Gegenwärtigkeit, jetzt bezeichnet diese Sphäre ein Entlegenes, von allem
Materiellem Fernstes, dann bezeichnet es die Perception, die Wahrnehmung, die
Erfahrung des Materiellen selbst — — dann ist es ein Mittel, das so in
Gemeinschaftsverhältnisse eingreift wie heute die Technik, aber ein weit

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