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intensiveres, weil in ihm, das über die „Kunst", die „Technik", die ihren Ersatzcharakter
noch immer hat spüren lassen, hinweggreift, die Tendenz des Bewußtseins
(die, von Sein oder »Natur" alleingelassen, die „Künstlichkeit" bedeutet)
und die des Objekts selbst wieder so zusammentreffen wie in allem „bewußt-
Existierenden".
Und wenn alles Bewußtsein, das als „Wissen" im weitesten Sinne wesentlich
wird, im Grunde: Vorher-Wissen meint, so muß, wenn irgend etwas, die
metaphysische Perspektive das leisten, was das konkreteste Ziel des Geistes ist:
den Lauf des Materiellen zu überholen.
Das kann nicht als „Ideal" gelten — denn es ist praktisch unerläßlich; es
gibt keinen anderen Gedanken, der theoretisch den Punkt bezeichnet, von dem
aus das blinde Drängen in den Bewegungen sozialer Gesamtheiten zu bändigen
ist. Wenn irgend jemand, so ist der „Staatsmann" verpflichtet — vorauszuwissen
.
Aber die Aufhellung jener metaphysischen Beziehungen wird schon deshalb
für die Vielheit verbindlich, weil sie ohne das Element der realen Gesamtheit
unzugänglich bleibt. Es ist ein Verhalten der Gesamtheit erfordert,
damit auf einer Ebene etwas erreicht werde, für die gegenwärtig gerade die Vielheit
das gleichgültigste auf der Welt ist.
Dieses Verhalten ist das Thema der metaphysischen Gesetzgebungen alter
Völker, und mit ihm entsteht das, was in den neueren Zeiten höchstens gelegentlich
vage und unwissenschaftlich zu formulieren versucht ward, meistens aber und
als Praxis überhaupt unbekannt ist: Das Volk mit einem schlüssig aufzeigbaren
Programm — mit einer Bestimmung, welche die bloße Ökonomie, die heute
das Richtungsprinzip'abgibt, deshalb weit übergreift, weil sie die Leiblichkeit noch
radikaler angeht als jene.
Hier gebraucht der extreme „Idealismus" als Argument den extremen „Materialismus
" — denn im Körper kommt der bedingungsloseste Materien-Instinkt mit
dem Weg des entlegensten Geistigen zusammen.
Es tritt in einem Volke der metaphysische Zweck auf, nicht als ein
„idealistisches", d. i. ewig vor tauben Ohren tönendes Postulat, sondern als Bedingung
körperhafter Existenz. Mit dem Vorhandensein dieser zwar teleologischen,
aber dennoch unübertragen körperhaften Bewegungsrichtung, in der Körper und
Geist nur zugleich motivieren, ist für die Gesamtheit die Gefahr desjenigen Risses
vermieden, der droht, wenn die Körper-Tendenzen der Einzelnen oder von Gruppen
solcher gegeneinander zu wirken beginnen, was unfehlbar eintreten muß, wenn
"sie sich verselbständigen, d. i. nicht in dieser psychophysiologischen Einheit
zusammengeschlossen sind: Hier wird die Verbindung des einzelnen organischen
Lebens mit der Gesamtheit sichtbar, folglich rückt die Bedeutung des Ökonomischen
an die zweite Stelle--indessen es im Falle des Zerrissenseins des
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