Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., P 2848,r-1
Unger, Erich
Politik und Metaphysik
Berlin, 1921
Seite: 37
(PDF, 13 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/unger1921/0041
zum Körperlichen stehen muß. Ebenso wie etwa die männliche und weibliche
Differenzierung gleichzeitig zumindest das Vorhandensein einer psychischen
Typus-Differenz bedeutet (selbst wenn eine wissenschaftliche Formulierung dieser
Differenz noch nicht gelänge) — — ebenso muß eine genealogische psychische
Differenz in Geltung sein, wenn sie auch erst „im Großen" sichtbar wird und
im unmittelbaren Verhältnis der Generationen überhaupt nicht zuzutreffen braucht.

Um sogleich diese psychische Divergenz anzugeben, deren schematische
Grundlegung wir in dieser Erörterung nicht mehr hineinzuziehen haben, soll gesagt
werden: daß das allgemeine Moment, welches die psychische Wertigkeit in
Bezug auf die Stellung im Abstammungs-System kennzeichnet, die Enge des
Anschlusses der geistigen Welt an die körperliche und umgekehrt ist, die
proportional der Aszendenz zunimmt, proportional der Deszendenz abnimmt —
freilich nicht notwendig in dem Verhältnis benachbarter Generationen, wohl
aber im prinzipiellen Verhältnis der Pole einer Generationslinie überhaupt, die
sich einmal als der „erzeugende" und der „abstammende" gegenüberstehen.

Es gilt hierbei, sich bewußt zu bleiben, daß die Aufzeigung dieser Phänomene
zwar empirisch möglich sein muß, daß sie aber in gewisser Weise nichts
anderes als die Formen des psychischen Prozesses selber darstellen, sofern denselben
eine Kontinuität über Geschlechter zukommt und daß das Verhältnis solcher
Formen apriorisch bestimmbar sein muß, wenn es unter psychischen Möglichkeiten
ein Prinzip der logischen Reihenfolge gibt, was, unerachtet aller Hegeischen
oder sonstigen Dogmatik, kaum abgewiesen werden kann.

Hier ward also als die Situation des „Anfangs" (nicht etwa eine geringere
geistige Valenz sondern) eine umfangreichere und intimere Bezogenheit von
psychischer und materialer Wirklichkeit aufeinander angegeben.

Dem entspricht die Unwillkürlichkeit der geistigen Hervorbringungen
in den primären Individuen infolge der zahlreicheren und ungehemmteren Kommunikationen
zwischen Geist und Körper. Daher die alte Zeit und insonderheit
die Urzeit durch das „Gelingen" der geistigen Unternehmungen charakterisiert
ist, weil das Psychische in engerem Zusammenhang mit dem Körperlichen über
umfänglichere und reichere Mittel gebot, aber zugleich auch eben als Psychisches
d. i. als distant zum Körperlichen weniger hervortrat. Das bedeutet gleichzeitig
die Sicherheit gegen die geringere eigentliche Bewußtheit. Der Weg war den
Früheren intensiver vorgezeichnet:

Dem alten Volk war sein psychisches Programm mitgegeben.

Alle Teleologie stand dem Physischen näher, und sie war folgeweise mit
dem genealogischen Zusammenhang schon mitgegeben: durch die Stammeseinheit
war das geistige Ziel verbürgt und mehr oder weniger mit ihr identisch. Aber
in dem Maße, in dem diese unmittelbare Verknüpftheit und der spielende Verkehr
zwischen der psychischen und der materiellen Realität nachlassen d. h. in dem

37


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/unger1921/0041