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den Ausdruck der ritualartigen Verbannung solcher Wirkungen und Wertungen
für die sich dieser Perspektive Unterstellenden annehmen.
Die Vorstellung dieser verschieden vorgehenden Manifestationen der metapolitischen
universitas könnte die Idee dieser universitas verschleiern, wenn sie
nicht den Gedanken ausschließt, daß alle diese Äußerungen das Stigma der
„Theorie" zu einer unabhängig von ihr existierenden „Praxis" trügen; daß sie gar
als Bearbeitungen des Bezirks der „kulturellen" Politik zu gelten hätten, gleich als
ob es diesen und daneben andere „Bezirke" gäbe; daß die universitas „zunächst"
ein „Gebiet" umfasse, und daß daneben andere „Gebiete" anerkannt würden, die
sie „später" möglicherweise einzubeziehen habe. Diese Deutung würde das Prinzip
der metapolitischen universitas verfehlen und alle diese Scheidungen wären schief.
Denn es gehört zum Wesen jeder Einzelaktion, die von einer präzis als metaphysisch
zu bezeichnenden Einstellung ausgeht, überdeutig zu sein:
Das heißt: die „Gebiete", die eine empiristische „Entwicklung" geschaffen
hat, passen nur sehr bedingt für das mit dem Kriterium eines metaphysischen
Ablaufs zu bestimmende Geschehen. Die durch Begriffe „Theorie" und „Praxis"
und die durch teils in ihnen enthaltene Unter-Kollektiva teils anders definierten
Bereiche, wie Politik, Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft, die in der pathologischen
Wirrnis parallel und hauptsächlich getrennt — wenn auch mit „Grenzeinwirkung
" — fortschreiten, konvergieren in einem als metaphysisch zu bezeichnenden
processus dergestalt, daß in einem bestimmten Status dieses Verlaufs
jeder Vorgang gleichzeitig ein Bewirken in allen jenen Bereichen vorstellt
; sodaß solches Vorgehen als theoretisch und praktisch in einem (nämlich
als die in jenem Stadium einzig mögliche Praxis, neben der es eine andere —
jedenfalls metaphysisch orientierte — garnicht gibt, während es eine empiristische
Praxis fortwährend neben dem Theoretischen gibt); als „politisch" wie
„philosophisch" wie „wirtschaftlich" in einem (nämlich als der in jenem Moment
einzig vorhandene Existenzmodus aller dieser Typen) zu erkennen ist.
Es beruhte somit auf einem vollendeten Fehlschluß, im Stadium der
Bearbeitung einer bestimmten metaphysischen Problematik zu fragen, wo demgegenüber
etwa die Behandlung der wirtschaftlichen sei; vielmehr ist in solcher
Epoche das Einzige, was zur Auflösung der Fragen wirtschaftlicher Soziologie zu
geschehen hat, eben jene von ihr völlig absehende Erkenntnis.
Die Idee der metapolitischen universitas kann also nicht wie etwa das Prinzip
der Universität ein »Gebiet", die „Wissenschaft", für sich okkupieren und die
„anderen" anderen Mächten überlassen, sondern sie muß, wohl oder übel, prätendieren
, das Indifferenz-Gebilde aller denkbaren „Gebiete" zu sein und nicht nur
das „theoretische" — weil sie das Dasein einer übrigen Praxis garnicht anerkennen
kann. Sie sieht einem nur-wissenschaftlichen Unternehmen der gegenwärtigen
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