Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., TM 87/3765
Villon, François; Zech, Paul [Sonst.]
Die Balladen und lasterhaften Lieder des Herrn François Villon in deutscher Nachdichtung
Weimar, 1931
Seite: 38
(PDF, 24 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/villon1931/0042
hier rast sich ein auserwähkes Erdenmenschenpaar so aus, als
wäre es dem grauenhaft aufgespannten Akt um die Pflanzung
des Jahrtausend/Menschen zu tun.

Dieser Spannungswirbel ist für uns Intellektkreaturen nur noch
symbolisch faßbar, medizinisch zerlegbar. Wir mögen (aus
Schwäche und aus tatsächlichem Unvermögen!) diesen Aufwand
nicht. Wir stellen uns nur davor und glauben, daß unser Senat'
ten ausreicht, den schamlosen Vorgang abzudrosseln.
Bei Villon aber war die Entfesselung des Blutes, des unverbraucht
ten und unvermischten, die höchste menschliche Leistung. Denn
den Begriff Nerven, diese billige Verdrehung eines Mankos, kann/
te das Zeitalter Villons noch nicht. Womit beileibe nicht fest/
gestellt sein soll, daß dieser Mensch überhaupt keine Nerven hatte.
Auch Villon war in seinen Lebensäußerungen bis zur letzten
Ausdrucksmöglichkeit organisiert, er hatte Fingerspitzengefühl,
hirnliche Belastungen und seelische Empfindsamkeiten. Er setzte
dieses Arsenal an Feinmechanik, Komprimierung und Ballung
aber in eine andere Bewegungsform um, anders als die, deren wir
uns heute bedienen, um an der Spitze zu bleiben. Was wir bei
ihm vielleicht tragische Sinnlosigkeit nennen dürfen, ist bei uns
der Hang zur Rekordjägerei, die Kultivierung der Einzelleistung
in Anlehnung an die zweckmäßige Leistung der Maschine.
Zweckmäßigkeit als Ausdruck eines Willens zur Vereinfachung,
ist immer nur an das Geschehnis der Gegenwart gebunden, so/
bald man ein aichbares Maß daraus machen will. Messen wir
aber einmal am Wortwerk Villons das Gedicht von heute, das

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