Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., TF 2014/20
Waldeyer-Hartz, Wilhelm von
Beiträge zur Kenntniss der Lage der weiblichen Beckenorgane: nebst Beschreibung eines frontalen Gefrierschnittes des uterus gravidus in situ
Bonn, 1892
Seite: 6
(PDF, 7 MB)
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Anatomische Literatur

  (z. B.: IV, 145, xii)



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Ich lasse der Schilderung dieser Präparate die Beschreibung und Abbildung von zwei
Medianschnitten einer Gravida nullipara und einer Puerpera mit vorgeschrittener Rückbildung
der Gebärmutter folgen, so dass wir hier also die Lage der letzteren im erwachsenen
jungfräulichen, im schwangeren und puerperen Znstande nebeneinander stellen und vergleichen
können.

Im Anschlüsse hieran gebe ich die Schilderung eines Frontalschnittes des uterus
gravidus in situ, des ersten derartigen Präparates meines Wissens, welches angefertigt
worden ist1.

I.

Der Leichnam der ertrunkenen l(j—17jährigen Anna D. war, als ich ihn zur Untersuchung
bekam, völlig frisch; nirgends fand sich eine Verletzung.

Der Körper, von etwas mehr als Mittelgrösse, musste als ein selten wohlgebauter' in
allen seinen Theilen bezeichnet werden und erwies sich nach allen Merkmalen als der einer
vollkommen Geschlechtsreifen Person-, Die Geschlechtstheile zeigten jungfräulichen Habitus
mit unversehrtem Hymen.

Zunächst wurden die Arterien und Venen von den Vasa poplitea aus injicift, dann,
nach 24 Stunden, wurde in der Rückenlage der Leiche die Bauchhöhle eröffnet. Ich bemerke
vorweg, dass sich alle inneren Organe in sämmtlichen Körperhöhlen als völlig normal
erwiesen; auch nicht die unbedeutendste pathologische Veränderung fand sich vor.

Die Baucheingeweide zeigten sich nach Eröffnung des Abdomens alle in normaler
Laffe; keine Schnürleber.

Es wurden nunmehr die Dünndarmschlingen mit grösster Behutsamkeit aus dem
kleinen Becken entfernt und dabei wurde festgestellt, dass dies ohne die geringste Verschiebung
des Uterus und seiner Anhänge geschah.

Nunmehr wurde eine Zeichnung des ganz frischen Präparates entworfen und diente
diese als Grundlage für die spätere genaue Aufnahme am gehärteten Präparate. Bei der
frischen Zeichnung wurde vornehmlich darauf gesehen, dass alle Theile wiedergegeben
wurden, welche man klar und deutlich erkennen konnte, und dass die Lage^erhältnisse
mit orösster 'Freue festgehalten wurden.

Nach Vollendung der Zeichnung wurde die Wirbelsäule in der Synchondrose zwischen
dem III. und IV. Lendenwirbel, sowie beide Oberschenkel eine Handbreit unter dem Leisten-
buo'c durchgeschnitten und das Becken in starken Alkohol zum Erhärten eingesetzt. Es
geschah auch dies mit äusserster Vorsicht, um jede Lageveränderung zu vermeiden.
Immerhin trat, wie späterhin die Vergleichung mit der Zeichnung des frischen Präparates
erkennen Hess, durch Schrumpfung eine geringe Abweichung in der Lage der Tuben ein,
welche sich jedoch durch das an der Zeichnung Festgehaltene leicht erkennen und corri-
giren liess.

1 Nur in dem Atlas von Barbour: The anatomy of Labour, Edinburgh u. London 1889, fol., finden sich
mehrere in ähnlicher Richtung verlaufende Schnitte; indessen liegen die Ebenen der Schnitte Barbour s nicht
frontal, sondern stark nach vorn geneigt, ungefähr in der Führungsebene des Beckens. Die sonst veröffentlichten
Frontalschnitte betreffen nicht schwangere Personen.

2 Ich führe nur an, dass die Maasse des Uterus betrugen: Länge nahezu 6 cm, Breite zwischen den
Tubenabo-ämr-cn 4cm a'rösste Dicke des Corpus 3cm. Die Maasse des Eierstockes zählten: Länge 3,5cm, Breite
in der Mitte 2,ö cm. Die Brüste waren gut entwickelt, die Pubcs auffallend reichlich.


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