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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/wandersmann_1850/0024
daß die beiden Systeme, welche in Deutschland,
wenn sie in den Kampf gegen einander gelassen wer-
den, stets zu endlosen und blutigen Kriegen führen
müssen, sich auf diesem Felde mit einander messen
wollen. Es sind dieß das System der Reaction und
das System des falschen Fortschritts, worüber der Le-
ser in einem besonderen Aufsatze belehrt werden soll.
Da bildete sich also alsbald eine Opposition
oder eine Widerstandspartei, die immer bereit
ist, die Regierung anzugreifen und wenn es ge-
lingt, sie zu verdrängen.
Diese Partei wußte stets aus der Landesver-
fassung Dinge herauszudoktern und auf das Ta-
pet zu bringen, welche von dem Geiste des Um-
sturzes eingegeben waren und mit dem blutgefärb-
ten Trödel der großen französischen Revolution
eine unläugbare Familienähnlichkeit hatten. Die
Demokratie regte sich schon damals und hellse-
hende Leute prophezeiten die blutigen Früchte die-
ser Aussaat. Die Regierungsmänner wußten
aber, wo das hinaus will und leisteten ihrerseits
auch wieder Widerstand; mußten es auch, weil
ihnen sonst der Bundestag, als oberster Wächter
des Reichsfriedens und des Völkerwohles auf die
Finger geklopft haben würde. Durch diese hitzi-
gen Debatten in der Kammer, Angesichts des gan-
zen Volkes, das durch die Blätter davon Kennt-
niß erhielt, bildeten sich aber Parteien im Lande,
eine für die Regierung, die andere für das Volk.
Dieser Oppositionsgeist fand in der angebo-
renen Tadelsucht und der Eigenliebe der Men--
schen immer größere Nahrung, die Zahl derer
mehrte sich fortwährend, welche vermeinten, es
besser machen zu können, wenn sie an der Regie-
rung wären, es kam ein Weltverbesserungsdrang
uber die Leute, der immer ungestümer wurde und
nach und nach beschlich eine immer größere Menge
die Sehnsucht, den unbehaglich gewähnten Zu-
stand gewaltsam zu verändern; und das war das
Revolutionsfieber, angeschürt und genährt von
innen durch eine starre Kammeropposition und
von außen durch die revolutionäre Propaganda,
im Einverständnisse mit den einheimischen Um-
sturzmännern. .
Die Oppositionspartei gewann immer mehr
an Stärke, während die Regierung des Groß-
herzogs Schritt vor Schritt nachzugeben gezwun-
gen, und in ihrem Ansehen von Stufe zu Stufe
herabgewürdigt wurde. Die sogenannten Män-

ner des Volkes beschränkten sich nicht darauf, für
das badische Land "heilsame Verbesserungen" anzu-
streben, sie sahen sogar über die Freiheiten und
sonstigen Wohlthaten, welche der Großherzog

nachzusehen. Gleichzeitig gab sich aber auch kund,

Seinem Volke gewährt hatte, hinweg, es trieb
sie ihre Herrschbegier, auch an den großen poli-
tischen Welteinrichtungen zu rütteln, das euro-
päische Gleichgewicht zu erschüttern. Sie tadel-
ten und tadelten wieder, tadelten unablässig alle
Handlungen der Regierung und pflanzten so ei-
nen stehenden Haß gegen alles Regiertwerden in
die Gemüther vieler Tausende, die darum ganz
besonders dafür empfänglich waren, weil sie theils
ebenfalls hofften bei einer Veränderung eine Rolle
spielen zu können, theils die Schuld an ihrer
häuslichen Zerrüttung lieber außer sich selbst zu
suchen geneigt waren. Lag einer auf der faulen
Haut und im Wirthshause und vernachlässigte
sein Berufsgeschäft, so daß er in Rückgang kam,
so mußte eben die Regierung schuld daran sein;
hatte Einer nichts gelernt und konnte deßhalb
nicht fortkommen, so wurde der Regierung die
Schuld aufgeladen. Sah einer mit Scheelsucht
seines Nachbars Gedeihen an, oder konnte er nicht
nach seinem Wunsche ein flottes Leben führen und
wenig oder gar nichts arbeiten, wie die reichen
Leute, so war es eben wieder die Regierung, die
seinem Glücke im Wege stehen mußte. Kurz die
Regierung und der Großherzog mußten das Hin-
derniß an der Glückseligkeit dieser Leute sein, und
weil auch diejenigen ohne Unterlaß schimpften,
welche nach der Hand vorgaben, es nur für die
wahre constitutionelle und zulässige Freiheit ge-
than zu haben, so sank allmählig das Ansehen
und die Kraft der Regierung so tief herab, daß
an die Stelle der Achtung und Ehrerbietigkeit, des
Gehorsams gegen die Gesetze und rechtmäßige Ob-
rigkeit, Mißachtung und Erbitterung, der Geift
der Widersetzlichkeit und die Sehnsucht nach ei-
nem wilden zügellosen Leben in einem großen
Theile des Volkes immer festere Wurzeln schlug.
Es ist auch nichts natürlicher, als das: denn
wenn in eine noch so friedliche und einige Fa-
milie sich Hetzer einschleichen, und Ohrenbläser
den Saamen der Zwietracht durch Verdächtigung
ausstreuen, dann müssen zuletzt die Bande der
Liebe und Verträglichkeit reißen, die Ordnung
des Hauses und die gute Sitte aufhören. Die
Familienglieder verlieren die Freude von der Ar-
beit, verlegen sich, um ihren Groll und Hader
zu verbeißen, auf den Müßiggang, laufen dem
Saufen und der Lumperei nach, und das Glück
des Hauses und der Familie fällt der Vernich--
tung anheim. Also war es auch in unserem
Lande, dessen Bevölkerung vor der skandalösen
Aufwiegelung glücklich und im Frieden gelebt
hatte. Der Geist der Selbstsucht, der Gottlosig-
keit und der Hochmuthsteufel fuhren in einen


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