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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/wandersmann_1850/0028
liche Großherzog mußte zum Danke für seine
wohlwollende und freisinnige Regierung bei Nacht
und Nebel mit seiner Familie aus dem Lande
flüchten, gefolgt von seinen Räthen, die zu schwach
waren, einen so gefährlichen Weltverbesserungs-
versuch von unserem Boden ferne zu halten.
Als die Regierung geflohen war, stieg der
Ausschuß der demokratischen Vereine auf den
Regierungssitz, um das Land nach seiner Weise
und zwar auf den Grund des Offenburger Pro-
gramms republikanisch zu beglücken.
Wie es mit diesem Glücke beschaffen war, weiß
der geneigte Leser. Die Schwindler, Lumpen
und Abenteurer aus aller Herren Länder hatten
sich eingefunden, um sich an unsern fetten Schüsf-
seln gütlich zu thun und die leeren Taschen zu
füllen; und von der genossenen Freiheit wird sich
auch mancher eine Abschrift genommen haben.
Es währte lange, bis dem Volke im Allgemei-
nen die neue Unordnung der Dinge schmecken
wollte, die republikanischen Gewalthaber hatten
alle Hände voll zu thun und mußten alle mög-
lichen täuschenden Mittel ersinnen, um es beson-
ders mit den Soldaten nicht zu verderben, die
in ihrer großen Mehrheit dem Großherzog erge-
ben waren, und von der Republik nichts wissen
wollten. Der Wandersmann hatte zu jener Zeit
mit Spannung erwartet, daß die liberalen Va-
terländler sich aufraffen, die guten Soldaten um
sich schaaren und diese Machträuberei nicht leiden
würden. Aber es geschah nichts. Alles legte
verzagt die Hände in den Schooß, und ließ sich
die Süßigkeiten der Volksherrschaft geduldig auf-
nöthigen, wodurch die Umsturzpartei Zeit gewann,
sich in der Gewalt festzusetzen. Da aber dieser
Zustand in Baden eine Auflehnung gegen das
deutsche Reich und eine gefährliche Bedrohung
aller deutschen Länder war, so mußte der Groß-
herzog die bundesmäßige Hülfe anderer deutschen
Fürsten verlangen, die ihm auch allerseits in
reichlichem Maße gewährt wurde. Preußen,
Bayern, Mecklenburger, Württemberger, Nas-
sauer und Hessen--Darmstädter kamen herangezo-
gen, um die rechtmäßige Ordnung in unserem
Lande und der bayerischen Pfalz wieder herzustel-
len, den Verrath am Vaterlande, der durch Be-
rufung von Fremdlingen und durch das beabsich-
tigte Bündniß mit dem Erbfeinde, den Franzosen,
begangen worden war, blutig zu rächen. Am
12. Juni begannen die Kriegsunternehmungen.
Die Preußen trieben die großsprecherischen Rhein-
pfälzer wie eine Heerde Schaafe vor sich her
und überschritten am 20. Juni bei Germersheim
den Rhein, um im Vereine mit den am Neckar

scherzt, die Bildung gefährdet.

aufgestellt gewesenen Reichstruppen den Aufstand
zu bekämpfen. Doch in unserem Lande sollte es
ihnen nicht so leicht werden, wie jenseits des
Rheines. Die badischen Soldaten und fremden
Freischärler schlugen sich tapfer, mußten aber
überall unterliegen, denn eine ungerechte Sache
kann niemals den Sieg davon tragen. In we-
nigen Tagen war das Land von den Rebellen
gereinigt. Blut in Strömen dünkte den badischen
Boden und mit dem Schwerte wetteiferte die
Flamme, um Verheerung und Schrecken zu ver-
breiten. Dem geneigten Leser wird in dem nach-
folgenden Aufsatz "Der Brand von Ludwigs-
hafen, gegenüber Mannheim mit einer
Abbildung ein Bruchstück in näherer Beschreibung
vor Augen geführt werden. Hunderte von Verfüh-
rern und Verführten, von Pflichttreuen und Meinei-
digen schlafen den ewigen Schlaf unter dem grünen
Rasen, der Feind neben dem Freunde; die Spitäler
sind angefüllt mit Verwundeten und viele hat
die Heimath als Krüppel wiedersehen müssen.
Hinweggezogen ist der Kriegsgott von unseren
Fluren und die Sonne des Friedens läßt ihre
erwärmenden Strahlen wieder herniedersteigen.
Aber das arme schwer heimgesuchte Land blutet
aus tausend Wunden. Mit Trauer erfüllt sind
zahllose Familien, die Quellen des Wohlstandes
verstopft, die Noth bei allem Segen der Natur
im steten Wachsen, der Bruderhaß noch lange
nicht getilgt. Wer von den Unglücksvögeln nicht
durch die Flucht in das Ausland dem Arme der
Gerechtigkeit entronnen, findet seinen Lohn nun
entweder auf dem Blutgerüste oder im Kerker.
Der Geist des Uebermuths und der Herrschbegier
war der Säemann, der Rachegott ist der Schnit-
ter! Dahin ist der Wohlstand, die Freiheit ver-
Am Ende un-
serer falschen Fortschritte dürfen wir nun das Le-
ben wieder von vorne anfangen.
Der Staat muß sich nun unter dem fortwäh-
renden Schutze der Bundeshülfe aus den Trüm-
mern neu erheben. Der Großherzog hat seinen
Thron wieder eingenommen, und Männer zu
Ministern ernannt, die das Regierungshandwerk
besser verstehen. Möge jeder an seinem Theile
dahin wirken, daß das Fundament ein festes
werde durch wahre Sittlichkeit, Religiosität,
Treue und brüderliche Eintracht. Die erlebten
Drangsale sollen uns gelehrt haben, die Spreu
vom Waizen zu sondern. Das Lehrgeld wird
nicht umsonst ausgegeben sein.

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