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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/wandersmann_1850/0058
in Weftphalen steht ihm an der Seite mit der
Vorhersagung, daß Frankreich in vier Reiche
zerfallen werde. Derselbe Schäfer sagt auch,
es würde eine solche Sterblichkeit durch Krieg
und Krankheit unter die männliche Bevölkerung
kommen, daß auf sieben Frauenspersonen ein
einziges Mannsbild zu zählen seie, und daß die
guten Menschen die bösen erschlagen würden.
Die obenberührte Mamsell Lenormand verheißt
der Stadt Paris einen schrecklichen Untergang
durch Mord, Plünderung und Feuer. Eine alte
Weissagung aus dem 13. Jahrhundert von einem
Klostergeistlichen in der Mark Brandenburg schil-
dert ebenfalls die Wirren dieser Tage und ver-
kündet, daß nach diesen Kämpfen der Hirt
wieder seine Heerde (oder ein Hirt und
eine Heerde) und Deutschland seinen Re-
genten haben werde. Bis zum Jahre 1852
soll aber Alles vorüber sein und ein neues glück-
liches Zeitalter eintreten. Wem die Gnade Got-
tes bis dahin das Leben schenkt, der mag sich
freuen! - Wenn nun auch alle diese Prophe-
zeihungen nicht in der ganzen Ausdehnung und
Fürchterlichkeit in Erfüllung gehen sollten, so ist
doch nach dem bereits Erlebten und nach mensch-
licher Wahrscheinlichkeitsberechnung so viel klar,
daß noch lange nicht Alles zu Ende ist und noch
viele Prüfungen uns bevorstehen. Es liegt die
Mahnung darin für dich, lieber Leser, zum ernst-
lichen Nachdenken. Der Wandersmann will dir
nicht gerade zumuthen, ohne Umstände Alles
buchstäblich zu glauben - aber den Fingerzeig
sollst du nicht unbeachtet lassen, die Zeichen der
Zeit nicht übersehen und dein Haus zu rechter
Zeit bestellen, damit, wenn der Herr einkehrt,
dich seine Heimsuchung nicht unvorbereitet trifft.
Im Allgemeinen aber huldigt der Wandersmann
dem Grundsatze: "Glauben ist besser als Zweifeln."

Anekdoten.

Als in Frankreich der aus dem Volke sich
zum Minister aufgeschwungene Corbière, ein
rauher aber höchst rechtlicher Mann, zum ersten
Male im Staatsrathe Platz nahm, zog er sein
Taschentuch, seine Brille und eine große
Schnupftabaksdose hervor und legte Alles vor
sich auf den Tisch. - "Sind Ihre Taschen nun
bald ausgeleert?" fragte Ludwig XVIII. von
Frankreich, von dieser Sitte geärgert. - "Viel-
leicht mehr als zu viel, doch werde ich sie nie
auf Kosten der Nation füllen!" entgeg-
nete trocken der Minister.

In der griechischen Kirche, zu welcher sich
die Russen bekennen, ist es Sitte, jährlich zu
bestimmten Zeiten alle inzwischen geborne Kinder
zu taufen und dieselben nach der allerältesten
Sitte in dem Flusse unterzutauchen. Ein Pope
in Rußland, eben mit dieser heiligen Handlung
auf der Newa beschäftigt, in welche man, da
der Strom noch zugefroren war, ein großes
Loch gehauen hatte, war unvorsichtig genug, ein
Kind seinen Händen entglitschen zu lassen. Das
arme Kleine wurde von dem Strome unter dem
Eise fortgeführt. Alle Umstehenden erhoben ein
Geschrei und ein allgemeines Jammern. Der
Pope sah sich ruhig um: "Schadet nichts,"
sagte er, "gebt nur ein anderes her!"

Ein Bedienter bat seinen Herrn, der ein
geheimer Kriegs- und Domainenrath war, ihm
eine erledigte Thorschreiberstelle zu verschaffen.
"Der Dienst ist schlecht," sagte der Herr, "Du
thust besser, wenn Du bei mir bleibst." - "Um
Vergebung," antwortete der Bediente: "wenn
ich als Thorschreiber di e Augen des Ta-
ges nur einmal zuthue, so bringt mir
das mehr ein, als wenn ich sie bei Ihnen die
ganze Woche lang offen halte."
Eine Dame von Stande gab ihrer Kam-
merjungfer folgenden Abendbefehl: "Fanny, hänge
meine Hüften an den Lehnstuhl, verschließ mein
Auge wohl in der Schachtel, leg' meine linke
Schulter unter die Haube und verwahre den
Busen im Putztische . . . . . Gib doch Acht, daß
Du ihn nicht zerdrückst; Du bist so ungeschickt."

Ein jüdischer Privatlehrer in M-., welcher
10 Kinder zu unterrichten hatte, erhielt eine
Vorladung auf das Bürgermeisteramt, behufs
der Berichtigung der jährlichen Bevölkerungsliste.
Man fragte ihn daselbst: "ob er verehelicht
sei?" - "Ja, seit zwei Jahren." - Nach ein
paar anderen Fragen ward endlich noch die an
ihn gerichtet: "Wie viel Kinder haben
Sie?" - "Zehn," erwiderte der Privatlehrer,
- "Wie ist das möglich?" rief der Beamte ver-
wundert aus. - "Ich habe einen Gehül-
fen dazu." - "Ja, das ist was anders,"
lachte der Commissär, dem es klar wurde, daß
der betroffene Lehrer die seinem Unterrichte an-
vertrauten zehn Kinder gemeint habe.

Ein amerikanischer Geistlicher redete vor Kur-
zem seine Zuhörinnen von der Kanzel herab auf
folgende Weise an: "Wir sind nicht stolz darauf, daß


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