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denn anno 1672 ein paar sauber grosse globi angeschaffet worden, deren sieh der Rector
[Schade, dann Lüdovici] in seinen Ordinariis Lectionibus Geographicis et Astronomicis zu bedienen
pfleget" (JMS). Statt eines Zuwachses bedrohten oder trafen in dieser Zeit die Bibliothek
wiedelholt Verluste. Ais 1662 in Schleusingen Kirchen- und Schulvisitation war, stellten sich
allerlei Unrichtigkeiten bei den Bibliotheken heraus; auch fehlten viele Bücher. Der sonst verdiente
Superintendent Hartmann, welcher damals schon „alt und. verdrossen worden", musste
diejenigen Bücher, welche schliesslich nicht ermittelt werden konnten, ersetzen9). Zugleich führte
die gemachte Wahrnehmung zu einer veränderten Aufstellung der Bibliothek. „Hierzu war erstmals
ein Zimmer über dem Phrontisterio neben der Communitäter Patienten-Stüblein eingeräumt
und denen Rectoribus die Aufsicht anvertrauet. Anno 1665 aber hat man sie auf eingeholten
(Konsens aller hochfürstlichen Herren Theilhaber des Gymnasii in das hiesige Fürstliche Schloss
in ein grosses Zimmer transferiret und die Inspection alleine dem Ephoro überlassen." Indessen
grade an dem neuen Aufstellungsorte sollte der Bibliothek der grösste Schade drohen. „Am
15. Februar 1685 kam ein unvermutheter Brand im Schlosse aus und erreichte eben das Zimmer,
in welchem die Bibliotheque ist, da denn einige Bücher theils halb theils gar verbrannten, theils
durch das Wassergiessen verderbet wurden; Gott aber gab Gnade, dass das Feuer bald gelöschet
und der Verlust der Bücher, in Regard eines sonst leicht zu besorgenden grösseren Ruins der
ganzen Bibliotheque, zu verschmerzen war. Wie sie denn auch aus der durchs Feuer verursachten
Confusion durch sonderbaren und in Actis gerühmten Fleiss des damaligen Rectors,
Herrn Johann Ernst Schadaei, gar bald die vorige Ordnung wieder erlanget hat, also dass sie
nun zu diensamem Gebrauche sowohl hiesiger Gelehrten und Schule, als auch auswärtiger Gelehrten
, denen man, gegen genügsame Yersicherung der Restitution, die etwa verlangten Manu-
scripte und raren Editiones willigst communiciret, offen stehet."10) Der Zuwachs scheint bis in
das letzte. Drittel des 18. Jahrhunderts gering gewesen zu sein, wiewohl einige Bücher, welche
jetzt in der Walch'schen Bibliothek registrirt sind, schon vor Ueberweisung der letzteren an das
Gymnasium zur Sclmlbibliothck gehört haben werden (s. u.). Albrecht Georg Walch suchte in
vier Programmen durch Nachrichten über die Bibliothek das Interesse an derselben zu beleben,
1772, Januar: De nonnullis libris antiquis Gcimanicis, quos Bibliotheca asservat Schleusingensis,
und : Yon einigen alten deutschen Büchern der Schleusingiscb.cn Bibliothek; zweite Einladungsschrift
1772, April; dritte Einladungsschrift 1773, April; vierte 1774, April. In dem ersten
Programm bespricht er folgende Bücher: 1) Meyster Elucidarius von den wunderbaren Sachen
der Welt. Gedrukt und vollendet in der Stadt Erfurt von Wolfgang Schenken a. d. 1505 in 4;
2) Der fnsspfadt tzu der ewigen Seligkeit, cliss büchlein genannt ist, der uns gewysen wird durch
einen geistlichen rittcr, mit ausslegung vnd beteutungen weltlichs ritterlichs gewere und wapen.
gedrukt zu Heidelbeck, anno 1494. 4. (beides G. 194. Elucidarius auch Frankf. 1549, G. 219).
8) Doctor Brants Marrenschiff. (Basel) 1499 in 4. 4,5) Die obengenannten alten Reisebeschrei-
luingen in das heilige Land. 6) Die gleichfalls oben schon genannte Cirurgia von Hyeronimo
Brunschwig, Strassburg 1497. Das zweite Programm behandelt den oben erwähnten Druck
Von eines Königs Tochter von Frankrieh; in dem dritten Programm werden besprochen: Das
Buch der Geschichte des grossen Alexanders. Getruket und vollendet in der löblichen Stat
Strassburg von .Martin Schotten. 1488, 68 Bogen in Folio. Ein hübsch llistori von der
künniglichen Stadt Troy wie sie zerstöret wartt. Dos gedrukt und vollendet bot Martin Schott
in der löbl. Stadt Strassburg, als man zalt n. C. G. 1489. 40 Bogen in klein Fol. Herr
Dietrich von Bern, oder von dem allerkünesten Weygand Herr Ditterich von Bern und von
9) Nach Acten-Auszügen aus dem Landräthliclicn Archiv;
10) JMS. Danach bei Ludovici bist. Rectorum, p. 33, zugleich mit Verweis auf Nova Lit.
Germ. A. 1703, p. 305. Walch im Jubelprogramm von 1777, p. 14 mit Citat der Biblioth. hist. lit.
8truvio-Tuglerianae Tom. I. p. 569.
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