Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e. V., Frei122-Z4
Zentralblatt für Okkultismus: Monatsschrift zur Erforschung der gesamten Geheimwissenschaften
16.1922/23
Seite: 257
(PDF, 129 MB)
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„Aber Freund," fiel ihm Dr. M. ins Wort, „bist Du von Sinnen?'*
„Keineswegs! Vielleicht kann ich dir etwas Neues beibringen. Mein
Steckenpferd ist nun einmal die „Magie/', mein Glück dabei ist der Besitz
von Büchern und Schriften über diesen Gegenstand aus den letzten
drei Jahrhunderten. Ich bin weder Spiritist, noch Theosophist im heutigen
Sinne, obwohl mir auch deren Hauptwerke nicht unbekannt sind.

Bevor ich zum Beweise meiner allerdings sehr kühnen Behauptung
schreite, will ich als Kronzeugen hier jenen Herrn aufrufen, der sich mit
der Kulturgeschichte des alten arischen Orients beschäftigt und deshalb
genau die Entwicklung des Buddhismus und verwandter religiös-philosophischer
Systeme kennt. Wenn wir z. B. die Sammlung der langen
Lehrreden des Buddho Gotamo lesen, so begegnen wir einer Stelle, die
sehr häufig wiederkehrt: „Solchen Gemütes, innig geläutert, gesäubert,
gediegen, schlackengeklärt, unversehrbar, richtet und lenkt der Jünger
nun sein Gemüt auf die erinnernde Erkenntnis früherer Daseinsformen.
So kann er sich erinnern eines Lebens, zweier, dreier usw. und er weiß:
Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das
war mein Stand, das war mein Beruf, solches Wohl und Weh hab ich erfahren
, so war mein Lehensende. Dort verschieden, trat ich anderswo
wieder ins Dasein. Da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie
gehörte ich an usw." So erinnert er sich mancher früheren Daseinsformen
mit deren eigentümlichen Merkmalen, mit deren eigenartigen Beziehungen
. .

Aber nicht blos im Buddhismus, auch in anderen indischen religiösen
und philosophischen Systemen finden wir immer dasselbe: Der Glaube an
Wiedergeburt, Wiederverkörperung oder Seeienwanderung — drei Dinge,
die eng miteinander verwandt, aber durchaus nicht wesensgleich sind —
durchziehen wie ein roter Faden immer und überall das indische Denken
vieler Jahrhunderte.

Nun gibt es eine erdrückende Fülle von nicht ganz unglaubwürdigen
Geschichten, daß sich der eine oder der andere erinnert haben soll, in
früheren Zeiten da oder dort gelebt, dieses und jenes erfahren zu haben
usw. Selbst bei den Griechen finden wir eine Geschichte dieser Art und
zwar knüpft sie sich an den Namen Pythagoras, eines der wenigen
. griechischen Philosophen, der an eine Wiedergeburt oder an eine Seelenwanderung
glaubte. Nach der uns überlieferten Erzählung soll er beim
Anblick eines Schildes, der als Wefhgeschenk eines längst Verstorbenen
in einem Tempel hing, den Ausspruch getan haben, dieser Schild sei einmaLl
sein Eigen gewesen, als er unter dem Namen Eupliorbos den trojanischen
Krieg mitmachte.

Was den meisten Griechen als Märchen erschienen sein mochte, da
sie sich im Großen und Ganzen der Seelenwanderungslehre gegenüber ab-

Z«ntralblatt für Okkultismus, XVI. Jahrjranff. 17


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