http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zgb1898/0373
1. November.
307
fuß hätte mit dem General-Sturm übereilt werden müessen,
wodurch nichts zu meiner Defension in dieses Untere Schloss
es gegen 10 Uhr Vormittags, als die in das Untere Schloss bestimmten
Trappen aas der Stadt abzogen; das (Karlsruher) „Diarium" aus
der Freiburger Propstei Allerheiligen gibt dafür 7 Uhr an, die
Freiburger „Relation" 8 Uhr, das „Protokohl" (Chronik) des Freiburger
Clara-Klosters sagt: zwischen 8 und 9 Uhr, und Weich's
Relation: gegen '/slO Uhr. Von den französischen Quellen sagen
die „Memoires de Villars", dass die weisse Fahne um 8 Uhr
erschien (siehe Anquetil, II, 289, und VogüS, III, 225), während
die „Memoires militaires", XI, 391 berichten, dass der von Harrsch
entsendete Tambour, welcher die oben erwähnten Schreiben überbrachte
, um 9 Uhr bei den Franzosen eintraf; es stimmt dies
auch überein mit den Akten des Pariser Kriegs-Archivs, welche
Herausgeber unseres Diariums s. Z. nachschlagen zu lassen Gelegenheit
hatte. — Wie die Legende berichten zu dürfen glaubt, wären
die Franzosen, als die kaiserlichen Truppen aus der Stadt abzogen,
im Begriff gewesen, zum Sturm zu schreiten. Schreiber, IV, 256,
erzählt, es sei schon während der oben geschilderten Unterredung,
welche Harrsch mit der Freiburger Deputation hatte, eine Ordonnanz
um die andere mit der Meldung gekommen, dass eine grosse Anzahl
feindlicher Bataillone und Escadronen auf dem offenen Felde gegen
die Stadt aumarschirte. Auch die Freiburger „Relation" meldet,
dass im feindlichen Lager alles bereit war und dass die Franzosen
um x/a9 Uhr vorrückten. Weich giebt an, dass 300U0 Franzosen zum
Sturme bereit standen, als die Kaiserlichen die Stadt räumten.
Die französischen Quellen, wie „Memoires militaires" und Quincy,
enthalten auch nicht die mindeste Andeutung dafür, dass die
Franzosen am 1. November Vormittags zum Sturme schreiten
wollten; nur Coarcy, I, 399, lässt, aber ohne seine Quellen dafür anzugeben
, die weisse Fahne in dem Augenblicke erscheinen, wo der
Sturm beginnen sollte. Quincy, VII, 285, sagt zwar, dass
alle Anstalten für den Sturm getroffen waren („tout £tait dispose
pour cette grande action"), aber daraus darf noch nicht darauf geschlossen
werden, dass die feindlichen Truppen bereits zum Sturme
aufmarschirt standen. Wie der Feind bisher seine Sturmangriffe in
die Zeit der Abenddämmerung oder auch des nächtlichen Dunkels verlegt
hatte, so würde er dies ebenso hinsichtlich des bevorstehenden
Generalsturmes gethan haben, um die von einer Ueberraschung des
Vertheidigers zu erhoffenden Vortbeile auszunützen und die ohnehin
voraussichtlich starken Verluste nicht noch weiter wachsen zu sehen.
In Anbetracht dieser Gründe konnte der Sturm übrigens auch in
der Morgendämmerung stattfinden Bekanntlich verhehlte man sich
im französischen Lager nicht, wie auch Villars noch nachträglich in
seinem Berichte vom 3. November (siehe Vogüe\ III, 356) hervorhob,
dass der Sturm grosse Anforderungen an die Tapferkeit der Truppen
stellen dürfte, ein weiterer Umstand, welcher dafür spricht, dass man
nicht bei vollem Tageslichte den Angriff unternommen haben würde.
Bei Tage hätte allerdings der Angriff stattfinden können, wenn ein
20*
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zgb1898/0373