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lieber die Uhren-Industrie des Schwarzwalds
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scheinen auch die Uhren bald einen gewissen Grad von Brauchbarkeit
erhalten zu haben, der hinreichend erschien; wenigstens muss
man sagen, dass der Fortschritt der Industrie von ihrem Ursprünge
bis 1740 in gar keinem Verhältnisse zu dem der folgenden 100 Jahre
bis heut steht und die Fabrikation gegenwärtig über ihren damaligen
Standpunkt nur äußerst wenig hinausgekommen ist.
In eine desto glänzendere Periode trat um 1740 der Handel.
Die Hausirer, die jetzt meist selbst Uhrmacher waren, hatten
bisher immer nur den Sommer im Auslande zugebracht, den Winter
aber zu Hause auf Vorrat gearbeitet. Dadurch waren sie gehindert,
die entfernteren Länder zu erreichen, und man kam deshalb auf die
Idee, in Eisenach einen Stapelplatz zu errichten, von dem aus ihnen
Uhren nachgesendet werden konnten. Die Geschäfte häuften sich
hier bald so, dass die Krämer, die die Rohstoffe und Werkzeuge
aus dem Auslande bezogen, die Zusendung der Uhren in die verschiedenen
Landesteile, in denen sie Geschäftsverbindungen hatten,
tibernahmen.
Dadurch erhielt jeder Hausirer gewissermaßen einen Geschäftsführer
in der Heimat, der seine besonderen Wünsche im Einzelnen
berücksichtigen und bei seiner großen Bekanntschaft unter den
Arbeitern auf das Sorgsamste ausführen lassen konnte.
Zufolge dieses vorteilhaften Systems finden sich die Hausirer
schon 1770 nicht allein in Frankreich, Spanien und England, sondern
sogar in Russland, der Türkei und Amerika, und der Absatz
stieg so bedeutend, dass Jäck die Zahl der um 1800 ausgeführten
Uhren auf jährlich 110000 Stück schätzt und für das Jahr 1808
282 Hausirer zählt.
Sein Schriftchen macht überhaupt einen tieferen Blick in den
Zustand der Industrie am Ende des 18ten Jahrhunderts möglich.
Die Fabrikation hatte damals den handwerksmäßigen Charakter
schon völlig ausgebildet.
Der Arbeiter trat als Lehrling bei einem selbständigen Fabrikanten
seine Laufbahn an, wurde nach 2 bis 4 Jahren Geselle, und
verließ dann das Haus seines Lehrherrn, um sich bei verschiedenen
Meistern so zu vervollkommnen, dass er seine eigne Werkstatt errichten
konnte.
Bis zu dieser Zeit war er Haus- und Familiengenosse des
Meisters, der selten mehr als einen Lehrling und einen Gesellen beschäftigte
, und ihnen für ihre Arbeit Wohnung, Kost und ein geringes
Lohn verabreichte.
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