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August Meitzen
leisten, sondern alle diese haben ihre Bestellung direkt vom Speditöi
erhalten und fordern auch nur an diesen.
Mit den Verfertigern solcher Uhrenteile, die erst im Auslande
vom Hausirer an die Uhr angepasst werden , z. B. Zifferblätter,
Perpendikel, Glocken, werden auf ganz dieselbe Weise abgesonderte
Geschäfte abgeschlossen.
Läuft nun das Geld ein, so werden die gemachten Vorschüsse
von der Rate jedes Fabrikanten abgezogen und nur der Rest bar
ausbezahlt. Sollte ein Konto zu groß geworden sein, so kann durch
eine neue Bestellung an den guten Kunden leicht die nötige Garantie
für die Deckung erlangt werden.
Da die Barzahlungen immer sehr gering sind, so zahlt der
Speditör auf diese "Weise eigentlich dem Fabrikanten seine Arbeit
im voraus und kreditirt seinerseits dem Hausirer; dabei besorgt
er alle kaufmännischen Geschäfte, so dass der Verkehr sich ganz
und gar auf sein Kapital und seine Intelligenz stützt, und er als
der eigentliche Unternehmer erscheint.
Der Fabrikant ist unvermerkt zum Arbeiter geworden; er
erhält zwar scheinbar einen sehr annehmbaren Stücklohn berechnet,
wird aber durch die Auszahlung in Waren, gegen deren Preissätze
er nie Widerspruch erheben kann, um sehr bedeutende und ungewisse
Prozente verkürzt, die den Kapitalzins und Unternehmungsgewinn
des Speditörs ausmachen.
Der Hausirer endlich ist der Kommissionär des Speditörs.
Er hat demselben einen bestimmten Satz, den Marktpreis, abzuführen,
und dafür bleibt ihm das Plus überlassen, welches er vom Konsumenten
durch vorteilhafteren Verkauf erlangen kann.
Wie man sieht, ist dies eine völlige Veränderung des früheren
Systems der Industrie und eine natürliche Folge davon, dass der
Fabrikant aus Mangel an Intelligenz und Kapital nicht selbständig
mit dem Hausirer oder Kaufmann verkehrte.
Sie ist übrigens selten in ihrer ganzen Konsequenz durchgeführt
; viele Fabrikanten stehen noch in direktem Verkehr, besonders
mit ihren hausirenden Verwandten; andere machen mit mehreren
Speditören Geschäfte; manche Speditöre scheuen auch so bedeutende
Vorschüsse; am wenigsten wird sie aber irgend einer der
Parteien klar.
Der Speditör betrachtet sich im Gegenteil immer noch als
Geschäftsführer des Fabrikanten, und die Idee, sich offen zum Fabrikherrn
zu machen, liegt ihm besonders deshalb ganz fern, weil er
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