Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 465
Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften [Hrsg.]
Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften
16.1900
Seite: 39
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Ueber die Uhren-Industrie des Schwarzwalds

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aber die Kinder mitgezählt; für einen Uhrmachergesellen wurde
sie mir von verschiedenen Seiten auf 15, 18, auch 20 kr. täglich
berechnet.

Die Kleidung ist für den Mann zwischen 24 und 36 fl., für
die Frau zwischen 17 und 20 fl. jährlich angegeben.

Die übrigen Wirtschaftsausgaben sind alle ganz bescheiden,
doch sind dabei Feste, Hochzeits- und Patengeschenke, Schulbücher,
Fahrnisversicherung, Ausbesserungen und dergleichen Verwendungen
aufgeführt, die einen geordneten Hausstand bezeichnen.

Man wird zugeben, dass dieser Zustand ganz beruhigend ist,
und mir ist kaum ein Beispiel vor Augen gekommen, dass ein Hausstand
die niedrigsten Ansätze nicht zu erreichen schien.

Ich machte in der Umgegend von St. Georgen, wo man über
die schlechtesten Preise und geringe Ware klagt, einen mehrstündigen
Ausflug mit dem Bruder des erwähnten Speditörs Schultheiss, der
studirt hat und so bereitwillig auf meine Pläne einging, dass ich
keinen Grund habe, eine absichtliche Täuschung vorauszusetzen.
Diesen bat ich, mich in eine der ärmlichsten Hütten, die er in der
Gegend kenne, zu führen, und so gelangten wir durch den Stockwald
zu einem kleinen hölzernen Häuschen, welches von der üblichen
Form ziemlich abwich und mit Stroh gedeckt war; auf der einen
Seite hatte es einen Kuhstall, auf der anderen eine Stube, und wurde
von einem alten Ehepaare bewohnt, das ein 8jähriges Mädchen bei
sich hatte. Die Stube war kaum 7 Fuß hoch und nur etwa 5
Schritt im Quadrat. Die Frau kochte im Stubenofen. Der Mann
erhielt sich von Gestellmachen und arbeitete in schlechter Kleidung
an einem Fenstertische. Er schien allerdings nicht in günstigen
Verhältnissen zu sein, doch war in der ganzen Wohnung Ordnung,
und eine doppelte Bettlade, die den größten Teil der Stube einnahm
, enthielt Kissen und Bettdecken von buntem, baumwollenem
Zeug, und war mit eben solchen Vorhängen versehen. Das Mädchen
schlief unter dem Dache. Der Mann verdiente sich 5 bis 7 fl. die
Woche.

Dürftigere Verhältnisse habe ich nirgends kennen gelernt.
Andrerseits habe ich aber auch nirgends eine besondere luxuriöse
Einrichtung gesehen; selbst bei den beiden Koryphäen der Kleinuhr-
macherei, Pfaff und Schwer zu Triberg, fand ich nur eine ganz gewöhnliche
, sogar untergeordnete Möblirung, einfach geweißte Wände
und ganz schlichte Kleidung, obwol diese. Männer ein Einkommen
von wenigstens 2000 fl. haben.


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