Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 465
Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften [Hrsg.]
Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften
16.1900
Seite: 87
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Aktenstücke zur Geschichte der Belagerung Freiburgs 1713 87

Nach disem continuirte nichts alß das täglich entsezliche Oanonirn
/welches von vilen Alten niehmalen so grausamblich gehört wordten/ vnd
das mächtige Bomben- vnd Steinwerfifen, welches bederseithß nicht ge-
spahrt wurdte, bis endlich

Den 81. Octbr. abendß zwischen 6 vnd 7 Vhr der im Wasser gestandene
halbe Mond von den Franzosen occupiert wurdte. Die darjnn
gelegenen 250 Mann, so vnter-wehrendem Sturm die Chamade geschlagen,
•wurdten theilß maßacrirt theilß sprangen in den Graben, so voll "Wasser
•wäre. Der Rest wurdte in 110 Mann vor Kriegsgefangene angenommen.
So bald diser halb Mond verlohren gangen, resolvirte sich sogleich H.
General vnd Feldt-Marschall Lieut. vnd Commendant v. Haarsch, die
Defension der Statt aufzugeben vnd mit der übrigen gesundten Soldatesca
sich inß vndere Schloß zu retiriren, so auch würckhlich deß andern tags
/nachdeme er vorhero befohlen, alle Stuckh vnd Morthierß zu vernaglen/
gegen 8 Uhr geschechen, ausser 500 Mann, welche annoch in dem Ravelin
waren, vnd chargierten. Indeme aber in dem französischen Lager alles
parat stundte, auf den vorhabenden Sturm ein wachtsames Aug zu haben,
so ruckhten sie auch vmb halber 9 Vhr würckhlich an. So bald die im
Ravelin gestandtene Teütsche Mannschafft /welche bis anhero ritterlich
gefochten/ der andern Retirade inß vndere Schloß wahr genommen vnd
vil Haüsser zu blindem /unter dem Praetext Brod zu suchen/ angefangen
vnd weilen sie sich in solchen Exceßen zu lang aufgehalten, seind von disen
wenig inß vndere Schloss kommen: indeme selbe von denen erst hereinkommenden
6 französischen Granadierß-Kompagnien meist aufgezogen
vnd zu Kriegsgefangne gemacht wordten.

Vnbeschreiblich wäre die Confusion. Die Franzosen stunden auf
der Breche, Niemand thate kein Resistent vnd Niemand wäre da, von den
Militärischen, der zu accordiren verlangte, welches dann ein grausames
Geschreü vnd Tumult von so vilen Burgern, Frawenzimmer vnd andren
veruhrsachte. Denn jedermann sache die Gefahr deß Sturmß, nach welchem
alles maßacriert wordten were, wann nicht zu allem Glückh annoch zur
rechten Zeith in Nahmen der Löbl. Statt dero H. Statt-Schreiber Franziscus
Ferdinandus Mayer Juris utr. Doctor etc. mit dem weisen Accords-Zeichen
/welches von einem Burger Nahmens Lucas Norbert Wiest getragen/ vnd
vnder wehrendem Scharschieren deß so wohl groben alß kleinen Geschüzes
auf die Breche eylends angelangt wäre. Auf solches Erblickhen haben die
Franzosen gleich ihren fernem March eingestellet vnd gefragt: was das
bedeüte, daß keine Offiziers noch Commandant zum Accordieren vorhanden,
worauf? obbemelter H. Statt-Schreiber alles dises knyeliegend referiert,
was in der Statt vorgegangen, und benebens vor die Bürgerschaft aller-
unterthänigst gebetten, daß dieselbe von der bevorstehenden Hinderung
möchte befreuet werdten, vnd dises wurdte von Marquis de Villars versprochen
. Vnder wehrendem disem Ergehen ist kein Schus aus dem
vndern Schloss geschehen, es wurdte auch gleich Stillstandt der Waffen


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