http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zgb1900/0105
Aktenstücke zur Geschichte der Belagerung Freiburgs 1713 95
5.
Bittbrief der beim Rückzug auf die Schlossbergfestung
in der Stadt zurückgelassenen Gefangenen, Verwundeten und
Kranken an den Kommandanten von Harrsch vom 3. oder
4. November; vgl. von der Wengen a. a. 0. S. 325.
Aus demselben Archiv.
Hochwohlgebohrener Frey Herr gnädtig Hochgebietender
Herr General Feldtmarchall Lieutenant.
Euer Excellence geruhen Ihnen schmerzhafft vortragen zue lassen,
wie daß wür mit denen zueruckgelassenen Armen plesirten undt Krankhen,
so wohl als deren noch wenig gesundten mannschafft, und armen weibern
und Kindtern in solchem erbärmlichen Zuestandt gesezet, daß da unß
nichtß im dem unsre Krankhe, undt plesirten meist Mueter nackhendt auß-
gezogen, alß daß Ehlendt Leben übrig gelassen, welcheß umb so vill
schmerzlicher ist, jemehr unß ein so langsambeß sterben die Bitterkheith
deß Todtß recht empfündlich machet, mann hat unß alle zusamben in denen
Olöstern so eng eingesperrt undt dabey höchster straff verbotten nicht die
geringste Lebenßmittel zuezulassen, da nunn die allermeisten schon in Trey
Tagen kein Bissen Brodt geessen, noch mit einem glaß Wasser Ihren
Durst löschen können. Dannenhero die Krankhe und pleßirte hauffenweiß
hinsterben, die übrigen aber mit den grösten Schmerzen in letsten Zigen
ligen, so sehen wür alle daß Endte unseres unglückseeligen Leben vor
uuß, doch da unß unsre Feindte über alle die bißhero erwisene Generosität
noch disseß Thun, daß sie uns erlauben bey Ihro Excellenz Hilff undt
Lebenßmütel zuesuchen: So fallen wür Deroselben allerseitß in unter-
thönigkheith zue Füssen mit Demuetigister Bitte, die selben wollen unß
nicht verlassen, sondern unß mit so vill Brodt und wasser versehen, daß
wür unser armeß Leben, so lang eß Gott gefält erhalten können. Euer
Excellenz erwögen die Threy, mit welcher wür undt so vil Frauen /deren
schwangere Leiber auch die Stain empfündtlich machen solten/ männer
undt Freündte Ihro Kaisl. Mäyst. gedinnt, sie erwögen wie vil mahl sie
Ihr Leben exponirt nuhr durch einen Ehrlichen Todt Ihre Threye zuever-
sigln. Nunn aber sollen wir durch einen, undt empfündtlichiste quall von
allen menschen verlassen, unsern Lohn darvor bekhomen, Euer Excell.
erwögen daß weinen der vor Hunger die Zähne bleckhendte Kinder, die
Trännen so viller schwangern Frauen deren unglückseeligiste Frucht, noch
Ehe sie die weit gesehen die grausamkheith deß Kriegß Erfahren mueß,
daß schreyen der plesirten undt Krankhen, die Seuffzer deren in dem
gröstem Hunger, und Schmerzen sterbendte seindt capabell auch die
wildtisten barbarn zum mitleidten zu bewegen; sollen wür sterben, so
sindt wür beraith, mann laß unß nuhr den Todt verkürzen, wir suchen die
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zgb1900/0105