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Aktenstücke zur Geschichte der Belagerung Freiburgs 1713 99
hoch in den Graben gestanten vnd so gar den Feint in seine Approchen
schödlich hinein geloffen, seiner arbeitenden Gallarie halber gemacht hat.
Den 17. ist 2 Stundt lang der Stillstant, vmb beiderseits von den
Sturm der Lunet vnd Contra-Scharpp die Todte zu begraben eingewilligt,
selbigen Tag aber noch an dem Rampar die Einschneidungen zur Arbeith
angefangen worden. Den 22. hat der Feint seine Gallarie in den Graben
mit Einwerfung angefillten Faschinen Stein, Vesßer, Samtsöck vnd anders
zu pauen angefangen, welche ihm nit allein von denen Conons auß vnßern
Flanckhen der Bastionen graußam schwer gemacht, sonder villmall mit
Rhollen der Bomben, Werffung der Pöchfachinen vnd andern feuerwerkhenr
ruinirt vnd verprent worden, entlichen aber so woll in den attaquirten
Reuollin, dan Leopolts-Bastion die Gallarie an der Preche völlig angeschlosßen,
an der Josephs-Bastion aber zu der Schliesßung noch ein kleiner Schritt,
gefeit hat.
Den 81. October den attaquirten Reuollin vmb 6 Vhr abends gestirmt.
vnd erobert, hingögen aber wür vnß in den Reduit vnd Tenaillie die ganze
Nacht hindurch biß den andern Tag gögen 10 Vhr in stetem Feuer gehalten
, entlichen aber auch verlasßen, vnter deß aber hat der Feint an
Leopolt-Bastion bey geschloßener Gallerie schon würkhlichen sich an-
gehenckht, waryberhin von vnß auf beiden gelegten Prechen (vmb den
feintlichen Sturm abzuhalten) in der Breite der gelegten Preche große
Feuer gebrent worden, vnd hinter solchen der Überrest von der Guarnison
in ihren Einschneidungen, vnd Tranchementen in Reserua gestanten, nach
dißen aber (weilen der Haubt-Sturmb. so in ein par Stundt mit
20000 Man geschehen wäre, wögen Schwöche der Manschafft vnd Menge
Plesirten vnmiglich mehr zu erwarten gewößen) haben wür den 1. 9br.
mit ganzer Guarnison gögen 9 Vhr fruehe die Statt ohne Capitullation
verlasßen, vnd vnß von beiden Precheu neben Hinterlasßung auf ieden
yberall ain Haubtman mit 150 zusamen 300 Man von beiden Fliglen
iu die Schlösßer reterh't, auch yene Manschaft, so der H. Comendant von
der Statt in die Schlösßer zu gehen zu vill sein geglaubt hat, sambt Ober-
vnd Untergewöhr, von allen Batallions wöckhgeiagt vnd dardurch mit
jenen Wöckhgeiagten, dann Plesirten vnd Kranckhen in die 3000 den Feint
zu freyer Disposition yberlasßen worden, darauf hin nach dem wür vnß
sambt denen zurughgelassenen 300 Man, welche Ariequarde gehabt,
retirirt haben, ist ein Corps von der Noblesse, dan die Burgerschafft ieder-
thaill mit einer weißen Fahnen auf beide Preche geloffen, vnd den Appell
geschlagen auch mit den duc de Villars etc. zu capitulliren verlangt,
welcher aber ihnen solches erstlich absolute abgeschlagen hat, vermeldend
daß dißes nit ihnen, sondern der Guarnison gebihrendt seye, doch aber
auf fillfeltig kniefallenter Bitten sye beyde Thaill auf Dischretion angenommen
. Nachdeme nun der Feind yber die Preche hinein geloffen,
hat so woll von vnß verlasßenen, alß von den Feind selbsten eine Blin-
derung abgesezt, doch aber durch die feindliche Granadirs gleich abgestölt
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