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Die Grenze vom anlautenden k gegen anlautendes ch 135
nur im Osten und Westen. Im Norden liegen Wälder und
Schluchten, im Süden zieht das tiefeinschneidende Wasserburger
Tal hin. Emmingen selbst gehörte zur fürstenbergischen
Herrschaft Hohenhewen, der Nachbarort im Osten, Liptingen,
zur vorderösterreichischen Herrschaft Nellenburg. Unter den
gleichen politischen Herren wie Emmingen standen nur die
westlichen Nachbarorte, Hattingen und Biesendorf. Graben
es die Verhältnisse,, dass in jener Gegend durch Umgehung
eine Insel entstand, so ist wol verständlich, wie gerade das
auf drei Seiten durch Grenzen geschützte Emmingen übrig
bleiben konnte.
Neuenburg am Rhein ist, wie schon gesagt, durch eine
Brücke mit dem gegenüberliegenden, gleichsprachigen, elsässi-
schen Ufer verbunden. Zeitweilige Reichsstadt, auch weiterhin
Stadt von Bedeutung und anderer politischer Zugehörigkeit
als das benachbarte Müllheim, konnte es wol sprachliche
Selbständigkeit wahren.
Die Sprachgruppe um Basel stützt sich auf diese Stadt.
Die Sprachform des Münstertals verdankt ihre Erhaltung
dem abgelegenen Vogesentale.
Der Erklärungsversuch hat es nicht zu der
wünschenswerten Bestimmtheit gebracht. Er hat die
sprachscheidenden Ursachen nicht genau auf ihr Alter bestimmen
können, er hat zum Teil verschiedene mögliche Ursachen
nebeneinander nennen müssen, er wird in manchem
noch zu ergänzen und zurechtzurücken sein. Und doch sind
auch solche unvollkommene Versuche nicht zu umgehen. Nur
auf Grund einer größeren Anzahl von Erklärungsversuchen
können unsere heute noch zumeist auf allgemeinen Erwägungen
beruhenden Anschauungen über Sprachgrenzen genügende Bestimmtheit
und Begründung gewinnen.
Gegenüber der naiven Annahme, dass die Grenzen der
Sprachformen der Regel nach und direkt auf solche der alten
Volksstämme und deren Teile zurückgehen, war von der
Mundartengeographie zunächst an bestimmten Beispielen zu
zeigen, dass die große Mehrzahl heutiger Sprachgrenzen mit
diesen Grenzen unvereinbar ist und viele von ihnen nach-
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