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Bolmenberger
weisbar auf Verkehrsgrenzen aus den letzten Jahrhunderten
zurückgehen. Damit ist' aber für Sprachunterschiede, die
über die letzten Jahrhunderte zurückgehen, ein älterer Verlauf
der Grenze verschieden von dem heutigen gegeben
. Beide sind grundsätzlich auseinander zu halten. Wir
dürfen daher eine heutige Sprachgrenze nicht ohne weiteres
der räumlichen Begrenzung der Heimat eines älteren Sprachdenkmals
zu Grunde legen. Dies geschieht aber noch in
weitem Masse. Andererseits müssen freilich auch die älteren
Grenzlinien so gut wie die heutigen und die der letzten Jahrhunderte
auf Verkehrsgrenzen ihrer Zeit zurückgehen. Soweit
diese Grenzen nicht natürliche, sondern politische waren,
spielten unter ihnen die Stammesgrenzen eine große, die
Gaugrenzen eine nicht unbedeutende Holle. Ebenso wie
heutigen politischen Grenzen sind also auch den Stammesund
Gaugrenzen einst Sprachgrenzen gefolgt. Gehen somit
die heutigen Sprachgrenzen nicht auf Stammes- und Gaugrenzen
zurück, so doch immerhin ein Teil der vorauszusetzenden
früheren. Der Nachweis eines solchen Zusammentreffens
wird zwar auch dann, wenn die Arbeit der
heutigen und der mittelalterlichen Mundartengeographie einmal
beträchtlich weiter fortgeschritten ist, nur in seltenen Fällen
zu erbringen sein, dasselbe ist aber immer in llechnung zu
nehmen. Für die landschaftliche Bestimmung alter Sprachdenkmäler
kommen diese ältesten politischen Grenzen doch
wieder in Betracht. Auch wird da, wo eine ältere politische
Grenze fiel, die ihr etwa folgende Sprachgrenze oft genug an
die nächste weiterbestehende politische Grenze gerückt sein.
Letztere wird nun wol die Ursache der später geltenden
Sprachgrenze, aber nur in abgeleiteter Weise. Für die k-ch-
Grenze bin ich nur auf die Bestimmung und Erklärung der
heutigen Grenze ausgegangen und dies war nach Lage
der Dinge zunächst auch allein möglich. Dass die heutige
Grenze nicht in allen Stücken den Verlauf der ursprünglichen
Grenze darstellt, ist nach dem Alter des sprachlichen
Unterschiedes von vornherein zu erwarten. Ob anlautendes
ch- aus germanischem k- selbst schon im Verlaufe der zweiten
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